Was ist Akupunktur?
Was genau passiert eigentlich bei der Akupunktur? Das fragen sich viele Patienten, wenn sie es noch nicht selbst erlebt haben.

Bei der Akupunktur wird mit sehr feinen Nadeln gearbeitet, sie haben einen Durchmesser von gerade mal 0,2 bis maximall 0,3 mm. Eine Kanüle hat 1 mm. Die Nadeln sind also extrem fein und flexibel.
Früher hat man die Nadeln sterilisiert und wieder verwendet, da hatte aber jeder Patient seinen eigenen Nadelsatz. Das war insbesondere bei teuren Nadeln mit Silber und Gold auch eine Kostenfrage. Heute werden fast ausschließlich Einwegnadeln verwendet, die nach der Behandlung in sicheren Abwurfboxen entsorgt werden.
Es gibt über 360 Akupunkturpunkte. Davon sind aber in der Praxis weniger als die Hälfte im regelmäßigen Einsatz. Bei der einer Behandlung werden in der Regel ca. 4-6 Punkte, maximal ca. 12-18 Nadeln gesetzt.
Es sei denn man behandelt mehrere „Baustellen“ parallel.
Die „Meridiane“ bzw. Leitbahnen am Körper sieht man häufig auf den Akupunktur-Postern. Diese Leitbahnen verlaufen grundsätzlich längs der Körperstrukturen, also entlang der Knochen oder Muskeln. Es ist quasi der „Weg des geringsten Widerstands“, den die Energie im Körper nimmt, wenn sie frei fließen kann.
Der Ursprung für Schmerz oder Erkrankung definiert sich durch eine Beeinträchtigung des Energieflusses im Körper – durch Mangel oder durch Fülle.
Im Bild eines Flusses gesprochen: Ein Widerstand (zB. Steine) in einem Flussbett verursacht Fülle vor dem Widerstand und Mangel dahinter. Eine lokale Blockierung oder Stoffwechselstörung verursacht daher Folgen im Verlauf dieser Leitbahn und entsprechend dem Organ bzw. Funktionskreis, der betroffen ist.
Die Akupunkturpunkte findet man in der Regel in anatomischen „Löchern“ oder Zwischenräumen, etwa zwischen Knochen und Muskeln, man kann also mit dem Finger immer „reinrutschen“. Daher macht es Sinn, diese nicht optisch (anhand von Bildern) zu suchen, sondern sie zu ertasten. Hierbei lässt sich zudem meistens schon der Zustand diagnostizieren.
Hierin liegt auch die Gemeinsamkeit mit der Tuina-Massage, bei der ebenso die Akupunkturpunkte und Leitbahnen eine Rolle spielen und massiert werden.
Beim Setzen der Nadeln bemerkt man einen sehr kurzen Einstich, der sich in der Regel aber sofort wieder beruhigt. Manche Therapeuten verwenden silikonbeschichtete Nadeln, weil diese durch das Schmiermittel leichter durch die Haut gleiten – das Silikon verbleibt allerdings beim Ziehen der Nadeln im Körper zurück. Schmerz beim Einstich entsteht allerdings durch zwei wesentliche Ursachen: Das Vorliegen der Stauung oder des Mangels an dem Punkt (und dies lässt sich im Vorfeld schon ertasten) – oder eine stumpfe Nadelspitze! Qualitativ hochwertige Nadeln sind aber an der Spitze so gut geschliffen, dass sie unabhängig von Silikon leicht durch die Haut führen.
Nach dem Setzen der Nadeln ist der Einstich aber schnell vergessen – was aber während der Dauer der Akupunktur bleibt ist oft ein leichtes Druckgefühl, ein Vibrieren der Nadel, ein Gefühl des „Arbeitens“ im Gewebe, oft auch Wärme und ein geröteter Hof rund um die Nadel. Dies ist normal, gewollt und zeigt, dass die Akupunktur ihre Wirkung entfaltet.
Auch beobachtet man häufig im Verlauf der (20 bis 40-minütigen) Akupunktur, nach ca. 15-20 Minuten, das Einsetzen einer tiefen Entspannung des Körpers, viele Patienten schlafen dann sogar ein.
Wenn man nach ca. 30 bis 40 Min. die Nadeln zieht, lässt sich häufig feststellen, dass die Nadeln sich wesentlich leichter ziehen als sie sich haben setzen lassen.
Die Qualität der Punkte ist stark abhängig vom Zustand des Patienten. Was an einem Tag schmerzhaft (und behandlungsbedürftig) ist, kann an einem anderen Tag völlig schmerzfrei sein. Somit sind Behandlungen im Verlauf (je nach Tageszustand) sehr unterschiedlich, auch wenn man immer wieder dieselben Punkte nadelt.


