Tuina
Tuina bedeutet: drücken/schieben (tui) und greifen/zupfen (na).
Diese traditionelle chinesische Massageform ist zugleich eine eigenständige manuelle Therapie innerhalb der TCM.
Sie kombiniert vielfältige Grifftechniken – mit Fingern, Daumen, Handballen, Fäusten oder Ellbogen – und orientiert sich, ähnlich wie die Akupunktur, an den Meridianen und Akupunkturpunkten des Körpers.
Im Vergleich zu vielen westlichen Massageformen wirkt Tuina deutlich intensiver, gezielter und tiefgreifender. Ziel ist es, Blockaden zu lösen, den Energiefluss (Qi) zu regulieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Die Massage erfolgt üblicherweise am bekleideten bzw. mit einem Handtuch zugedeckten Patienten.
Die zu behandelnden Akupunktur-Punkte können (und sollten, schon aus diagnostischen Gründen) vom Therapeuten ertastet und nicht nur anhand der sichtbaren Anatomie lokalisiert werden.
Jede Behandlung beginnt bei mir im Grunde mit Tuina, denn sie kann mit allen anderen Therapieformen (insbesondere der Akupunktur, aber auch mit QiGong) kombiniert werden.
Sie ist praktischerweise Diagnose und Therapie zugleich – und im Idealfall langfristig Prävention.
Die Massage kann – je nach Beschwerden und Zustand – während der Behandlung recht schmerzhaft sein. Sie bringt aber meistens auch unmittelbar nach der Behandlung bereits eine deutlich fühlbare Erleichterung mit sich. Da sie aber auch anstrengend ist, macht es Sinn, sich danach eine Pause zu gönnen.
Während der Massage ist Feedback wichtig, denn Schmerzempfinden ist nicht nur individuell unterschiedlich sondern auch abhängig von Tagesform und Zustand.
👉🏻 Mein Tipp in Bezug auf Zustand und Behandlungsintervall:
- Bei akuten Beschwerden im Wochenabstand,
- bei chronischen oder latenten Beschwerden und mäßiger Belastung immer noch 14-tägig und
- bei Beschwerdefreiheit und als nachhaltige Selbstfürsorge u. Prävention alle vier Wochen einmal zur Tuina-Massage gehen.
QiGong
QiGong ist die chinesische Bewegungs-, Meditationsform, die sich vom Taiji (hier liegt der Fokus auf der „inneren Kampfkunst“) durch ihre ausschließlich gesundheitsfördernde Orientierung, also den Fokus auf den eigenen Körper in der Zielsetzung unterscheidet.
Keine Vorkenntnisse
Zwar erfordern die Übungen ein wenig Geduld in Bezug auf (für uns unbekannte) Bewegungsabläufe, Koordination und Gleichgewicht.
Von QiGong profitiert man aber bereits als „Anfänger“ ohne Vorkenntnisse, und auch Fitness, Ausdauer oder Beweglichkeit sind keine Hindernisse. Im Gegenteil, all das sind Bereiche, die sich recht schnell spürbar durch das Üben von QiGong verbessern lassen.
Entspannung (körperlich und geistig!), Wohlbefinden und leichtere Beweglichkeit stellen sich aber bereits nach der erste Stunde ein und erfordern weder Perfektion noch große Ausdauer.
Egal wo
Man kann QiGong überall praktizieren, braucht dafür weder Ausrüstung noch viel Zeit.
Wichtig ist eher, dass man regelmäßig und immer wieder übt, am besten täglich, dabei reicht aber auch schon eine Pause von ca. 15 Minuten. Daher lässt sich QiGong ohne große Mühe in den Alltag integrieren.
Die Atmung
Beim QiGong atmet man nur durch die Nase, nicht durch den Mund (auch bei der Ausatmung!).
Und möglichst immer tief bis in den Unterbauch. Da wir im Alltag meistens deutlich weniger tief atmen (und dafür schneller), empfiehlt es sich, direkt am Anfang auf die Vertiefung der Atmung zu fokussieren. Allein das induziert schon körperliche (und geistige) Entspannung.
Die Atmung sollte im eigenen Rhythmus sein.
Den gilt es zu finden und sich ggf. vom Rhythmus der anderen Teilnehmer unabhängig zu machen. Im Alltag atmen wir ca. 12-16x/Minute. Beim Qigong reduziert sich die Frequenz durch die tiefe Atmung auf ca. 8-6x/Minute – und bleibt dabei entspannt und mühelos.
Die fließenden Bewegungen beim Qigong ergeben sich nicht zuletzt durch fließende Atmung – also ohne Pausen nach der Einatmung oder Ausatmung.
Und die Atmung sollte grundsätzlich gleichmäßig sein, also weder die Einatmung noch die Ausatmung betonen.
Ein ruhiger Geist (Shen) ein „leeres“ Herz (Xin) und ein „voller“ Bauch (Dantian) sind das Ziel – und Basics einer gesunden Lebenseinstellung.
QiGong ist „achtsames Atmen in Bewegung“ – oder bewegte Meditation.
Das zugrundeliegende Prinzip heißt: Durch Aufmerksamkeit und Absicht (Yi), den Atem (Qi) durch den Körper zu führen – also Bewegung durch Atmung.
Die langsamen und fließenden Bewegungen folgen der Atmung – nicht umgekehrt!
Durch die beim QiGong deutlich sinkende Atemfrequenz übernimmt im Nervensystem der Parasympathikus. Damit sinken auch Herzfrequenz und Blutdruck.
Und mit einiger Übung lässt sich eine Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität (der Fähigkeit, seinen Herzrhythmus anzupassen, auf Englisch „heart rate variability“, HRV) erreichen, was mit einer spürbar höheren Adaptionsfähigkeit und damit Stress-Resilienz einhergeht.
In Ergänzung zur Akupunktur und Tuina-Massage, die Blockaden in den Meridianen bzw. des Qi-Flusses passiv durch externes „Ausbuddeln“ bzw. Auflösen beseitigen, werden sie durch QiGong-Übungen durch die eigene Kraft des Qi-Flusses „von innen“ aufgelöst – gleich einem Fluss, der einen Stau durch die eigene Wasserkraft frei spült.
QiGong ist deshalb eine sehr gute Ergänzung zu den anderen Methoden der TCM: Es verlängert und intensiviert die Wirkung anderer Therapieformen und ist eine gute Möglichkeit für Patienten, selbst aktiv und nachhaltig an der Behandlung (und im Idealfall der Prävention) mitzuwirken.



