Zhoutian

Die Qi-Kreisläufe

Diese Übungen dienen dazu, das gesammelte Qi in den Meridianen (Energie-Leitbahnen) gezielt fließen zu lassen. Auch diese Übungen gehören zu den ganz grundlegenden (und übungsintensiven!) Qigong-Übungen. Gesund ist der Mensch nach der TCM, wenn das Qi harmonisch/ausgeglichen durch den ganzen Körper fließen kann. Ungleichgewicht oder Blockaden von Qi sind die Ursache für Krankheiten.

Durch das Kreislaufen wird der Qi-Fluss in den Meridianen intensiv gefördert. Es ist soz. das Gegenstück, die Ergänzung z.B. zur Akupunktur, bei der Blockaden gewissermaßen von außen aufgelöst, ja „ausgebaggert“ werden. Beim Qigong werden die Meridiane durch den kraftvollen Qi-Fluss von Blockaden befreit, wie etwa ein Flussbett, das von starkem Wasserstrom durchspült wird.

Beim Kreislaufen verbindet man (wie eigentlich immer beim Qigong) Achtsamkeit und Atem in der Bewegung und bringt dadurch das Qi im Körper zum Fließen.

Der große Kreislauf verbindet oben und unten, die Seiten und Mitte sowie hinten und vorne des gesamten Körpers, während der kleine Kreislauf den „DuMai“ (Lenker-Meridian, der Meister der Yang-Merdiane) und den „RenMai“ (Konzeptions-Gefäß, Meister der Yin-Meridiane) miteinander verbindet.

Beim großen Kreislauf steht man zunächst aufrecht in der Grundposition, hebt die Arme mit der Einatmung über den Kopf und führt das Qi während der Ausatmung entlang der Vorderseite des Körper nach unten zu den Fußspitzen, mit der Einatmung an der Rückseite der Beine nach oben bis zum Brustkorb, entlang der Unterseite der Arme mit der Ausatmung zu den Fingerspitzen und mit der Einatmung entlang der Oberseite der Arme zur Körpermitte zurück und über den Nacken hoch bis zum Scheitel – bevor es wieder mit der Ausatmung wieder vorne runter geht…

Diese Übung ist sehr einfach und gleichzeitig grundlegend und besonders gut als Teil eines „warm ups“ am Anfang einer QiGong-Stunde geeignet.

Der „kleine himmlische Kreislauf“ (Xiao Zhoutian)
ist neben dem großen Himmelskreislauf eine grundlegende QiGong Übung, die in nahezu allen Schulen praktiziert wird. Meistens wird er unbewegt und im Sitzen geübt, daher ist er eher dem „stillen QiGong“ zuzurechnen.

Die Qualität des kleinen Kreislaufs verändert sich deutlich, je länger man ihn übt, daher macht es Sinn, ihn auch als Anfänger in seine Übung zu integrieren, um sich mit ihm vertraut zu machen. Es braucht ein wenig Geduld, um im wahrsten Sinne des Wortes mit ihm „warm zu werden“.

Verlauf:
Der kleine Kreislauf besteht aus der Verbindung der zwei Meister-Meridiane Dumai (Lenkergefäß, der Meister aller Yang-Meridiane) und Renmai (Konzeptionsgefäß, der Meister alle Yin-Meridiane).

Der Dumai beginnt am Ende des Steißbeins (Du1, wei lü, für das Fließen des Qi der erste Engpass, ein „Energie-Tor“, welches schwer zu öffnen ist).
Von der Höhe her in etwa gegenüber des Bauchnabels liegt ein weiterer wichtiger Punkt: „Mingmen“ (Du4, das „Tor des Lebens“).

Zwischen den Schulterblättern liegt ein weiterer Engpass, das mittlere Energie-Tor. 

Von dort geht es hoch zum Nacken, am „Jadekissen“ (yù zhěn), durch das 3., obere Energie-Tor und zum Scheitel (und dessen höchsten Akupunkturpunkt Bai Hui, der „himmlischen Pforte“ und Ansatzpunkt für den imaginären Seidenfaden, der uns mit dem Himmel verbindet), über den Kopf bis zum Gaumen. 

Dort ist die sog. „Elstern-Brücke“ (què qiáo) die Verbindung zwischen Dumai und Renmai: Um den kleinen Kreislauf in der Mundhöhle zu schließen bzw. die beiden Meridiane zu verbinden, sollte der Übende seine Zunge (als Brücke) dabei sanft oben am Gaumen, hinter den oberen Schneidezähnen anlegen.

Der Renmai beginnt im Schritt und verläuft vorne durch die Mitte über den Unterbauch, Oberbauch, Brust und Hals bis zum Unterkiefer zur Elsternbrücke.

Übung und Richtung:

Obwohl beide Meridiane der TCM-Lehre nach von unten nach oben verlaufen und damit eigentlich keinen Kreis bilden, wird der kleine Kreislauf  so geübt, wie es in vielen QiGong-Übungen vorkommt: Hinten über den Dumai hoch (Yang) das Qi mit der Einatmung hoch führen und vorne runter (Yin) mit der Ausatmung sinken lassen. Die Atmung sollte dabei möglichst tief, entspannt und fließend sein.

Das bewegte Üben des kleinen Kreislaufs – bei dem der Rücken in einer entspannt fließenden, wellengleichen und abrollenden Bewegung vom Steißbein aus nach oben bis zum Scheitel aufgerichtet wird während man einatmet und mit der Ausatmung das Qi über Stirn, Hals, Brust und Bauch wieder bis zum Schritt sinkt – erleichtert zunächst die Entspannung des Rückens, das körperliche Erfassen und die „Öffnung“ der drei Engpässe/Energietore, die anfangs noch schwer wahrnehmbar sind.
Es ist oft eine effektive Hilfe, eine solche „stille“ Übung über eine bewegte Form soz. zu induzieren, sie zunächst groß und körperlich „greifbar“ zu machen und dann immer weiter zu verkleinern und zu konzentrieren, bis man sie allein mit Yi und Atmung wahrnehmen und steuern kann.

Als „stilles QiGong“ lässt der kleine Kreislauf sich im Sitzen oder sogar Liegen üben.

Es ist hilfreich, den kleinen Kreislauf auch ausgiebiger am Stück zu üben (ca. 15-30 Wiederholungen), da sich die Qualität im Laufe von vielen Wiederholungen spürbar verändert.

Bei intensiver Übung lässt sich eine deutliche Wärmeentwicklung entlang der Wirbelsäule wahrnehmen.