Unser Qi Hai Blog

 


Avena sativa (Hafer) ist die Arzneipflanze des Jahres 2017.

Die bei der jährlichen Wahl der Arzneipflanze des Jahres bisher dargestellten Pflanzen sind klassische europäische Heilpflanzen, deren Bedeutung innerhalb der Medizin wieder mehr Aufmerksamkeit gewinnen sollte, die uns ständig zur Verfügung stehen (und dabei nicht erst um den Globus fliegen müssen) und deren Nutzung so einfach wie effektiv ist. 

Vom Hafer finden als Heilmittel Verwendung:

  • das Kraut (Avenae herba, grüner Hafer), das klassisch als Tee erhältlich ist und zudem als Smoothie-Pulver seinen Weg in die sog. „Superfood“-Regale gefunden hat,
  • das Korn (Avenae fructus), welches als Vollkorn, aber in der Regel ganz unspektakulär als Haferflocken, Schmelzflocken (aus dem Mehl gewalzt und leichter löslich) oder Haferkleie daherkommt und
  • das Haferstroh (Avenae stramentum), das hauptsächlich äußerlich Verwendung findet, z.B. als Badezusatz, bei Rheuma, Gicht und Hauterkrankungen. 

Und auch aus heutiger Sicht gerade nicht zu verachten: Laut Hildegard von Bingen stärkt Hafer die Nervenkraft! 

Besondere Eigeschaften

Hafer ist eine extrem elastische Pflanze – gewissermaßen der „Bambus“ unter den Getreiden. Bei Wind knicken die Stängel nicht etwa, sondern sie beugen sich, richten sich danach wieder auf – und stehen somit ungebrochen wieder ganz aufrecht in ihrer Mitte. Hafer ist nicht starr, sondern elastisch und beweglich, was ihn – anders als z.B. Weizen und Roggen – nach einem Sturm wieder unbeschadet aufstehen lässt. Diese Fähigkeit ist sein Vorteil und macht seine Kraft aus.

Die Wurzeln des Hafers sind kräftig und tief und sichern so seinen Wasserbedarf – und damit auch seine Elastizität. Damit ist er vom Bau und Wesen her in jeder Hinsicht belastbar – ein „grünes Stehaufmännchen“!

Von dieser Eigenschaft kann sich der Mensch etwas abgucken. In meiner Praxis verwende ich dafür meistens das Bild des Bambus – aber der Hafer ist gewissermaßen das europäische „Pendant“ dazu: Wer sich bedroht oder gestresst fühlt, verliert in der direkten Konfrontation meistens nicht nur all seine Kraft, sondern auch seine Gesundheit. Viel ökonomischer und gesünder ist es, sich im Wind sanft zur Seite zu neigen und auch mal seitlich zu bewegen und im wahrsten Sinne elastisch zu bleiben, um nicht all seine Kraft in der Konfrontation zu verlieren und u.U. sogar daran zu zerbrechen. Nicht die „deutsche Eiche“, die starr im Wind stehen bleibt, überlebt den Sturm unbeschadet. Nur wer flexibel bleibt, kann nach dem Sturm wieder aufrecht und in seiner Mitte stehen.

In solchen stürmischen Zeiten stärkt der Hafer die innere Ruhe und Gelassenheit, und damit die Resilienz und das Vermögen, sich wieder aufzurichten.

Und auch nach schweren Krankheiten wirkt der Hafer stärkend, ausgleichend und normalisiert den Schlaf und damit die Erholung.

Haferkraut (Avenae herba)

Das Kraut bzw. der grüne Hafer wird vor der Blüte, wenn der Halm noch frisch und grün ist, geerntet und getrocknet. Damit sind seine entzündungshemmenden, immunmodulierenden und nervenstärkenden Inhaltstoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe voll verfügbar. 

Indikationen:
Unruhe, Erschöpfung, Angst und Anspannung, Schlafprobleme, Immunschwäche, Altersschwäche und Rekonvaleszenz, Hauterkrankungen, Bindegewebsschwäche, Stoffwechselstörungen und Übersäuerung.

In der Ernährungslehre der TCM gehört Hafer zum Element Metall (vom Geschmack her „scharf“) und ist von der Temperatur her wärmend, wirkt von innen nach außen, bewegt das Qi, bringt die Verdauung in Schwung und löst Stagnationen.

Hafer als Korn (Avenae fructus)

Hafer wird im Juli-August geerntet.
Als Getreide ist er ein „Kraftfutter“ und (z.B. als Haferbrei) klassische Aufbaunahrung in Krankheits- und Rekonvaleszenzphasen, Schonkost bei (insb. entzündlichen) Magen-Darm-Erkrankungen, und außerdem ist er verdauungs- und stoffwechselfördernd. 
Hafer liefert im Vergleich zu anderen Getreidearten mehr Eiweiss und Fett sowie viele B-Vitamine und Ballaststoffe.
Hafer und Haferkleie (die besteht im Gegensatz zu Haferflocken nicht aus dem ganzen Korn, sondern nur aus den äußeren Schichten und dem Keimling, ist feiner gemahlen und vom Geschmack her nussiger, der Anteil an Ballaststoffen ist ca. 50 % höher) wirken blutzuckerregulierend und cholesterinsenkend. Die Ballaststoffe machen lange satt, durch sie werden die Nährstoffe verzögert aufgenommen, was den Anstieg des Blutzuckerspiegels verzögert und damit die Insulinausschüttung reduziert. Beta-Glucane binden Gallensäuren und senken das schädliche LDL-Cholesterin.
Porridge“ bzw. Haferbrei und „Overnight oats“ sind als Power-Frühstück nicht nur in England verbreitet. 

Haferstroh (Avenae stramentum)

Das Haferstroh ist das nach der Ernte und dem Dreschen des Korns übrigbleibende trockene Gras.

Die älteren Generationen (vor den „digital natives“…) kennen Haferstroh sicher auch noch als „europäische Futon-Version“: Strohmatratzen wurden vorzugsweise aus Haferstroh hergestellt.
– Und vermutlich kennt der eine oder andere auch noch den Spruch „Lebe lustig, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh“…

Haferstroh verwendet man hauptsächlich äußerlich (meistens als Badezusatz oder als Kompresse/Wickel) bei Rheuma und Gicht und insbesondere bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis und Ekzemen, da es entzündungshemmend, juckreizlindernd und wundheilend wirkt.

Außerdem wirkt ein Haferbad beruhigend und schlaffördernd.

Man kann sich den Badezusatz aus Haferstroh selbst herstellen, indem man es abkocht (etwa 100 g auf 2 L Wasser 10-20 Min. köcheln und dann dem Badewasser zugeben) – es gibt aber auch Haferstroh-Extrakt als flüssigen Badezusatz zu kaufen.

Hafer ist eben weit mehr als nur ein „Powerfood“!
Und was hier wächst, das muss nicht zu Dir reisen. 😉

In den letzten Jahren hat sich bei europäischen TCM-Therapeuten immer mehr die Motivation durchgesetzt, die chinesische Kräutertherapie an unser eigenes „Habitat“ anzupassen. Mit dem Gedanken, dass uns z.B. mit Pflanzen, die in unserer Umgebung leben, vermutlich besser geholfen ist. Einige in der TCM maßgebliche Autoren haben sich inzwischen daran gemacht, unsere europäischen Pflanzen nach TCM zu kategorisieren und analoge Indikationen und Anwendungen zusammenzustellen, um deren Anwendung innerhalb der TCM zu ermöglichen bzw. deutlich zu erleichtern. Damit rückt ein erheblicher Teil der europäischen Phythotherapie endlich wieder vermehrt in den Fokus. Zu Recht!

Bleibt nur zu hoffen, dass „Die Grünen“ uns nicht demnächst einen gut gemeinten „Bärendienst“ erweisen mit der geforderten Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln: https://www.bundestag.de/presse/hib/695890-695890

Der Sommer ist (gem. der Wandlungsphasen) die Zeit des Herzens, daher stelle ich heute vor:  

Weißdorn – Beschützer des Herzens

Eingriffeliger Weißdorn: Crataegus monogyna / zweigriffeliger Weißdorn: Crataegus laevigata
Heimischer, sommergrüner, dorniger Strauch/kleiner Baum, auch (Vogelschutz-)Hecke
Arzneipflanze des Jahres 2019

Verwendete Teile: Blätter, Blüten und Früchte
Blüte: April bis Juni (weiß)
Beeren: ab September (rot)

Wirkung: (durch Studien belegt)

  • Stärkt das Herz und dessen Schlagkraft und Schlagvolumen, z.B. bei leichter Herzinsuffizienz, und steigert die Durchblutung der Herzkranzgefäße
  • Harmonisiert den Herzrhythmus (bei Herzrhythmusstörungen, Extra-Systolen u. Herzrasen)
  • Reguliert den Blutdruck
  • Verbessert die Elastizität der Gefäßwände und wirkt Arteriosklerose entgegen
    s. auch: https://flexikon.doccheck.com/de/Crataegus

Indikationen nach TCM:

  • Herz-Qi-Mangel
  • Herz-Yin-Mangel (stärkt das Yin, die Essenz des Herzens)
  • Herz-Feuer
  • bewegt Herz-Qi und Herz-Blut, lässt hochsteigende Energie nach unten fließen und beruhigt den Rhythmus des Herzens
  • beruhigt das Shen:
    • Das Herz ist das „Haus des Shen“ (Geist): Daher hilfreich bei geistiger Müdigkeit, Freudlosigkeit und Lieblosigkeit, Schlafstörungen, Nervosität und Unruhe sowie Reizbarkeit

Geschmack: süß, sauer, bitter
Temperatur: kühl

Dosierung als Tee: 1 TL / Tasse,   3-4 Tassen / Tag (ca. 1 L, kann den ganzen Tag über getrunken werden). Der Geschmack ist sehr mild und leicht süß.

Nahrungsergänzungsmittel: Standardisierte Präparate (Trockenextrakte aus Blättern und Blüten) sind auch als Kapseln (Tagesdosis 900 mg) unter dem botanischen Namen Crataegus zu finden.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.

Achtung: Bei längerem Fortbestehen von Symptomen,

Bei Einlagerung von Wasser (Ödeme), Kurzatmigkeit, Herzrhythmusstörungen und insbesondere bei Schmerzen in der Herzgegend, Ausstrahlung in Arme, Oberbauch oder Hals ist dringend ärztliche Kontrolle, bei letzteren Symptomen schnellstmöglich ein Notruf erforderlich! 
Grundsätzlich ist die Verwendung jeglicher Nahrungsergänzungsmittel immer mit dem behandelnden Arzt (insbesondere hinsichtlich etwaiger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) abzustimmen.

Im Übrigen gilt: Die TCM therapiert grundsätzlich zur Mitte hin, Ausgleich bzw. Ausgewogenheit sind Voraussetzung für Gesundheit. Daher gilt es bei Feuer-Pathologien folgerichtig den Blick auf das Wasser zu richten und ggf. schwächelnde Nieren zu stärken – denn Feuer kontrolliert sich mit Wasser. (Übrigens ist nicht nur in der TCM der Zusammenhang von Blut(hoch)druck und Nierenfunktion oft ein ursächlicher und damit therapeutischer Faktor).

Zum Schluss im wahrsten Sinne noch etwas fürs Herz

Kleines Gebet für das „Haus des Shen“
Mein Herz ist leer und weit.  Mein Geist fühlt sich hier wohl und ruhig.
Mein Shen kontrolliert meine Emotionen und leitet mich. Es wandelt Sorge und Unruhe in Vertrauen und Achtsamkeit.
Dadurch bin ich frei – und folge der Liebe und den Momenten der Freude.

Halten Sie Ihr Herz sauber und stark!
– Und machen Sie sich einen schönen Sommer!

 


Für Anfänger ist der „kleine Kreislauf“ eine Herausforderung – und doch lohnt es sich! Warum? Er ist ein kleiner „Tausendsassa“!

Das „stille QiGong“

Der kleine Kreislauf ist grundsätzlich „stilles QiGong“ – und als solches auch ein fließender Übergang vom QiGong hin zur Meditation.
Er verbindet damit die ganze Bandbreite des QiGong und die Vielseitigkeit der Übungsmöglichkeiten. Und er ist ein sehr guter Indikator für die Qualität und den Fortschritt, an ihm lässt sich meistens deutlich ablesen, wie intensiv und wie lange jemand schon übt. Er verändert sich nicht nur innerhalb einer Übungs-Einheit (von idealerweise 15-30 Wiederholungen) bereits spürbar in der Qualität – er verändert sich im Laufe der Monate und sogar noch über Jahre kontinuierlich. Kaum eine andere Übung macht Qualität und Veränderung so deutlich spürbar.

„Mini-QiGong-Pause“

Wie generell beim QiGong ist man völlig unabhängig von jeglichem Zubehör, Ausrüstung, Setting oder Zeitaufwand, da man einfach überall üben kann – und schon mit 5-10 Minuten Zeit merklich davon profitiert! Man kann ihn jederzeit üben, als „Mini-QiGong-Pause“, um sich zu „reseten“, Herz und Atmung (innerhalb von wenigen Minuten) zu beruhigen, zu entspannen und im wahrsten Sinne des Wortes zu zentrieren (auch von der körperlichen Mitte zur geistigen).

Kleiner Kreislauf

Kurzes Video: Zur Ruhe kommen & Innere Ruhe finden …



Eine perfekte Vorbereitung zur Meditation!

Die Kombination aus Fokussierung und Zentrierung auf die körperliche Mittelachse, tiefer Atmung und fließender Übung gibt einem nicht nur Entspannung (sowohl geistiger als auch des Rückens!) zurück, sondern auch Beweglichkeit und Elastizität. Die Wechselwirkung zwischen geistiger und körperlicher Anspannung ist längst kein Geheimnis mehr, daher macht es Sinn, gerade Rückenschmerzen eben nicht nur durch Gymnastik und Muskeltraining zu begegnen.

Geduldig üben

Prinzipiell gilt im QiGong: Probieren geht über Studieren – es ist wesentlich effektiver, QiGong körperlich durch Übung im wahrsten Sinne zu „begreifen“ – nicht desto trotz ist es für uns „verkopfte Wessis“ durchaus hilfreich zu verstehen, was genau passiert: Siehe Der „kleine himmlische Kreislauf“ (Xiao Zhoutian) – Dennoch: Auch wenn der kleine Kreislauf sicherlich nicht des Anfängers bester Freund sein wird (und das geht vermutlich jedem so!), so lohnt sich doch, ihm einen Vertrauensbonus zu schenken und ihn zu üben, der Lohn folgt verglichen mit anderen QiGong-Übungen zwar etwas später, aber er kommt! Da hilft tatsächlich die typisch „chinesische Didaktik“: Einfach mal dran bleiben und geduldig üben, ganz ohne Fragen und Nachdenken – bis einem „das Licht aufgeht“.

Unsere Großeltern wussten noch, dass Kohl nicht nur ein beliebtes und sehr gesundes Wintergemüse ist, sondern dass er auch äußerlich angewendet Gutes tut, z. B. bei Gelenkschmerzen. Wer unter Gelenkschmerzen leidet, bedingt durch Arthrose oder Rheuma, dem wird der Wickel als altes Hausmittel nicht unbekannt sein. Es gibt dazu eine ganze Reihe von Rezepten und Wirkstoffen, die hierbei zur Anwendung kommen. 

Allerdings sollte man neben der entzündungs- bzw. schmerzlindernden auch deren thermische Wirkung beachten. Gelenkschmerzen haben eine „böse“ Saison, nämlich den Winter. Die allermeisten Betroffenen kennen das. Wenn sich aber Gelenkschmerzen im Winter tendenziell verschlimmern bzw. überhaupt äußern und im Übrigen die Betroffenen durchaus nicht das intuitive Bedürfnis nach Kälte haben, dann macht es sicherlich auch keinen Sinn zu kühlen! Denn: Kälte stellt die Gefäße eng und behindert damit die Durchblutung, und damit steht sie der Heilungskraft des Körpers (die ja u.a. auf die Durchblutung basiert) im Weg.

Entzündungsreaktionen:

  1. Rötung
  2. Wärme
  3. Schwellung
  4. Schmerz und
  5. Funktionsstörung

Diese Reaktionen sind letztlich Zeichen des körpereigenen Abwehrkampfes. Wo der Körper mehr Blut hinschickt, da will er kämpfen bzw. heilen, und da wird es notfalls auch rot, dick, warm und schmerzhaft. Will man den Körper bei seiner Selbstheilung unterstützen, sollte man die Durchblutung nicht behindern, sondern unterstützen – viele entzündungshemmende Wirkstoffe tun das auch!

Aus der Sicht der TCM sind die allermeisten Gelenkschmerzen auf das sog. „Bi-Syndrom“ zurückzuführen. Schmerz bedeutet Qi- und/oder Blutstagnation. Das Bi-Syndrom entsteht durch einen Mangel an Qi und Blut, durch den Wind und Kälte in den Körper eindringen kann. Kälte/Kühlung ist also hier absolut kontraindiziert! Es würde den Schwächezustand noch verschlimmern. Vor diesem Hintergrund ist auch der häufig empfohlene Quarkwickel eigentlich keine gute Idee, da er kühlt. (Quark und Joghurt sind eher bei Hitze-Geschehen indiziert, also zB zur Linderung von Sonnenbrand, Verbrennung oder hitzebedingten Hautausschlägen). Sinnvoll bei Gelenkschmerzen sind schmerzstillende und entzündungslindernde, aber durchblutungsfördernde Wickel – und da kommt der Kohl ins Spiel: Kohl enthält Flavonoide und Senfglycoside, und diese wirken entzündungslindernd und durchblutungsfördernd. 

Die Carstens-Stiftung hat eine Studie der Kliniken-Essen-Mitte gefördert, die die Wirkung von Kohlwickeln bei Knie-Arthrose untersucht hat. Patienten mit Knie-Arthrose im Stadium II-III wurden in drei Gruppen geteilt und vier Wochen lang täglich entweder mit Kohlwickeln, einem Diclofenac-Gel bzw. ihrer bisherigen Routine-Therapie behandelt. Nach vier Wochen stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Schmerzintensität im Vergleich zur Routinebehandlung deutlich reduziert hatte. Auch die Beweglichkeit des Kniegelenks und die Lebensqualität verbesserte sich. Der schmerzlindernde Effekt des Kohls erwies sich als dem Schmerzgel gleichwertig (kommt aber immerhin ohne Nebenwirkungen aus!). Auch bei der 2. Untersuchung nach 12 Wochen war noch immer eine Verbesserung der Lebensqualität festzustellen. (s. auch: Lauche et all, Efficacy of cabbage leaf wraps in treating symptomatic osteoarthritis of the knee – a randomized controlled trial, The Clinical Journal of Pain, 11/2016, 961 ff.)

Anwendung

Aus den frischen, grünen Kohlblättern (am besten Wirsing, alternativ Weißkohl), den mittleren Strunk herausschneiden, um Druckstellen zu vermeiden, auf Frischhaltefolie auslegen und mit einer Glasflasche walzen, bis der Saft austritt (ein Nudelholz nimmt den Saft auf), die Blätter wie Dachziegel um das Knie legen und mit der Folie umwickeln (damit der Saft nicht vom Wickel aufgesogen wird), darüber eine Mullbinde wickeln und das Ganze (falls vorhanden mit einer elastischen Binde) fixieren. Am besten über Nacht einwirken lassen und mehrere Tage wiederholen. Gute Besserung!

Wenn der Herbst zu uns kommt, bringt er Wind und Kälte mit und damit u.U. die erste Erkältung – und das Weihnachtsgebäck. Im Zeitalter von „Superfoods“ und dem Hype um Nahrungsmittel und Ernährungsberatung schleichen sich aber leider immer wieder Halbwahrheiten ein. Diese verbreiten sich rasend und halten sich hartnäckig und betreffen ein beliebtes Gewürz, das aus unseren Küchen kaum noch wegzudenken ist und bei uns eigentlich zu den Weihnachtsgewürzen gehört; den Ingwer.

Zunächst mal …

Es hat einen Grund, dass Ingwer (neben Zimt, Kardamon, Nelken, Orangenschalen usw.) zu unseren Weihnachts- und Plätzchen-Gewürzen gehört. Alle diese Gewürze wärmen und gehören daher jahreszeitlich zu Herbst und Winter. Ihre Wirkung zeigt sich nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern bekanntermaßen auch psychisch, nämlich „stimmungsaufhellend“ – also passend für die „dunkle Jahreszeit“. Wer fühlt sich (beim Anblick des Sauwetters da draußen) vom Duft nach Weihnachtsplätzchen nicht getröstet?

Kurzes Video: Hitze & Schwitzen lindern …

Ernährungs-Aspekte

Es macht also Sinn, sich – gern auch über den Umweg der TCM und der Wandlungsphasen oder der „Ernährung nach den 5 Elementen“ – wieder auf das Leben nach den Jahreszeiten zu besinnen. Sowohl hinsichtlich des Lebenswandels (schließlich muss es nach dem Sommer, der Aktivität, der „Outdoor-Zeit“, auch eine Zeit des Rückzugs, der Ruhe und der Regeneration geben) als auch durch eine (einheimische!) saisonale Ernährung, und dazu gehören im Herbst und Winter z.B. alle Wurzelgemüse, alle Kohlsorten, Kürbis, Äpfel u. Birnen, Nüsse, Trockenfrüchte. All das war vor noch 100 Jahren oder zu Zeiten unserer Großeltern eine Selbstverständlichkeit – wir entdecken diese Weisheit erst viel später wieder – aber eher, weil wir uns fragen, ob es wirklich vertretbar ist, eine Erdbeere mitten im Winter quer über den Erdball zu fliegen.

Herbst & Winter

In der kühlen Jahreszeit steigt das Risiko für die erste Erkältung: Kälte dringt, in den Körper ein und tangiert die Lungenfunktion (die maßgeblich für das „Wei-Qi“, das „Abwehr-Qi“ unserer Haut verantwortlich ist). Hier ist Ingwer oder Zimt angesagt, um durch kurzfristiges Anwärmen und Schwitzen die Körper-Oberfläche von Wind und Kälte zu befreien. So wird die Erkältung direkt am Anfang und an der Oberfläche wieder „rausgeworfen“. Wer also kalte Hände und Füße hat oder erste Erkältungssymptome wie Halsschmerz, Niesen, Kopfschmerzen o.ä., der kann in diesem Frühstadium eine Erkältung mit Ingwertee wirksam abwehren.
Der scharfe Geschmack gehört zum Element Metall, damit zum Herbst und zur Lunge. Er erhöht die Atmung und reizt die (Nasen-)Schleimhäute. Zudem haben die ätherischen Öle von Ingwer und auch Zimt durchblutungsfördernde, antivirale und antibakterielle Wirkung.
In der TCM wird noch einmal bewusst zwischen frischem und getrocknetem/gemahlenem Ingwer unterschieden: Sheng Jiang (Zingiberis rhizoma recens) ist der frische Ingwer.

Charakteristika

Temperatur nach TCM: warm; Geschmack: scharf

Funktionskreise:
– Lunge (auch Abwehrkraft)
– Milz/Magen (Verdauung)
– Herz

Ingwer ist wärmend, kräftigend und entgiftend.

Indikationen

Ingwer wirkt wärmend, schweißtreibend, krampflösend, antiseptisch, durchblutungs- und verdauungsfördernd:

  • Zum Erwärmen bei beginnender (!) Erkältung (Wind-Kälte), für eine frühe Abwehr,
  • zur Stimulation des Atems und des Herzens,
  • bei Übelkeit, Erbrechen (auch bei Reiseübelkeit/Seekrankheit, Schwangerschaftsübelkeit), in der Onkologie (Patienten, die durch die Übelkeit während einer Chemotherapie und dadurch mangelnde Ernährung noch zusätzlich geschwächt werden! Hier hilft Ingwer mindestens so gut wie übliche Antiemetika, jedoch ohne Nebenwirkungen). Oft reicht es schon, sich eine Scheibe frischen Ingwer nur auf die Zunge zu legen, um den Magen zu beruhigen,
  • zur Erwärmung und Anregung der Verdauung im Magen,
  • aber auch bei Magen-Darm-Infekten (u. a. durch seine antibakterielle/antivirale Wirkung),
  • sowie äußerlich (als Wickel oder noch besser als Bad) angewendet wirkt Ingwer entzündungshemmend und schmerzlindernd, insbesondere bei Arthritis, rheumatischen Erkrankungen, u.a.!
    Außerdem hemmt er die Thrombozytenaggregation und ist damit auch „blutverdünnend“.

Kontraindikationen

  • Durch seine wärmende Wirkung sollte Ingwer nicht bei Hitze-Zuständen oder Yin-Mangel verwendet werden!
  • Bei fortgeschrittener Erkältung mit Fieber, Hitze, Durst und Röte ist Ingwer bereits absolut kontraindiziert – es wäre als würde man Öl ins Feuer gießen.
  • Ebenso bei Hitzezeichen wie starkes Schwitzen/Nachtschweiß, brennende Schmerzen im Oberbauch, Reflux/Magensäure, Gastritis (Magenschleimhautentzündung), Verlangen nach kalten Getränken, Unruhe und Schlafstörungen oder Hitzezeichen/Ausschlägen/Rötung auf der Haut.
    Zudem ist Ingwer leicht blutdrucksteigernd!
  • In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten: Einerseits hilft frischer Ingwer in Maßen gegen die Übelkeit in der Frühschwangerschaft – andererseits wirkt Ingwer u.U. wehenfördernd.

Die getrocknete Ingwerwurzel – Gan Jiang (Zingiberis rhizoma) wird in der TCM noch einmal getrennt betrachtet. Hier wirkt er stärker und noch konzentrierter (u. stärker wärmend) als frischer Ingwer – und sollte daher mit Vorsicht verwendet werden.

Last but not least

Mittlerweile hat man herausgefunden, dass Ingwer auch erhöhte Blutzuckerwerte regulieren – und damit in der Diabetes-Therapie Anwendung finden kann. Dabei können Ingwer-Extrakte die Aufnahme von Glukose in die Muskeln auch unabhängig von einer Insulingabe unterstützen. Da bei Diabetes Typ 2 die Glukoseaufnahmefähigkeit der Muskulatur aufgrund einer gestörten Insulin-Signalübertragung reduziert ist, lässt sich hier mit Ingwer offenbar die Aufnahme von Glukose vom Blut in die Muskeln fördern und der Blutzuckerspielgel reduzieren. (Klinische Studien hierzu stehen aber noch aus.)

Pfefferminz und Zitrone wirken kühlend! Zitronensaft ist also bei einer nahenden Erkältung aus Sicht der TCM völlig kontraindiziert!
Und wie immer gilt auch hier: Vorsicht und Balance. Die Dosis macht das Gift.