Unser Qi Hai Blog

 


Wieviel Aufmerksamkeit schenken Sie eigentlich Ihrer Atmung? 
Man könnte meinen: Was für ein Glück, dass das Atmen zu den unwillkürlichen Bewegungen des Körpers gehört! Das ist gelinde gesagt ganz praktisch – trotzdem lohnt es sich, ab und zu ein wenig Aufmerksamkeit darauf zu verschwenden – denn „Achtsamkeit“ fängt schon bei sich selber an. Und die Qualität der Atmung lässt sich durchaus beeinflussen.  Wer QiGong praktiziert, wird das bestätigen können.

Die Lunge ist das Meister-Organ des Qi!
– Die Lunge verbindet das „himmlische“ Atem-Qi mit dem Nahrungs-Qi und ist so wesentlich am Erhalt bzw. an der Erneuerung der Lebenskraft beteiligt. Besonders gut lässt sich das beim QiGong erfahren und intensivieren.
– Die Lunge kontrolliert das Öffnen und Schließen der Poren (Schwitzen) und befeuchtet die Haut (als Schutz).
– Und sie ist verantwortlich für unsere Immunabwehr (das „Wei Qi“ zirkuliert an der Oberfläche als Schutz gegen äußere pathogene Faktoren). Denn zum Funktionskreis der Lunge gehören nach außen hin und sichtbar die Haut und innerlich die Schleimhäute, der Atemwege – und des Dickdarms (als zugehörigem Yang-Organ). Damit verbindet dieser Funktionskreis vollumfänglich und ganzheitlich das „außen“ mit dem „innen“.  Die Haut (außen) sowie Atemwege, Lunge und Darm (innen) sind unsere körperlichen Grenzen und Wächter zur Außenwelt und die vorderste Front in unserem Immunsystem! Die Rolle einer gesunden Hautbarriere, der gesamten Atemwege sowie des Darms für die Immunkompetenz ist inzwischen wohl unumstritten.
Auf der anderen Seite sind sie aber auch das Einfallstor für jeglichen äußerlichen „Angriff“ von Erregern und anderen pathogenen (Umwelt-)Einflüssen – und damit auch die „Schauplätze“ auf denen sich deren Symptome äußern… Dies erklärt u.a. den direkten Zusammenhang von Haut, Lunge und Darm, auch bei allergischen und anderen autoimmunen Reaktionen des Körpers.
– Daneben sind Lunge und Darm für den Austausch mit der Außenwelt zuständig: Gutes wird aufgenommen, schlechtes bzw. unbrauchbares ausgeschieden.

Die Lunge ist zudem beteiligt am vegetativen Nervensystem, also alles, was automatisch funktioniert, wie die Atmung, der Herzschlag (Rhythmus)… So erklären sich die Chinesen beispielsweise Hautausschläge durch Aufregung. Wird die Lungen-Seele beleidigt, dann kommt es zu Atemnot, Herzrhythmusstörungen oder Hautproblemen. 

Die Lunge beherbergt die „Körperseele“.  Sie steht im Wesen für Entschlossenheit und einer positiven, beherzten und unerschrockenen Lebenseinstellung. Ist aber eine Person deprimiert, verunsichert oder vermeidet sie Konflikte, kann dies mit einer Schwäche der Körperseele und der Lunge zusammenhängen und äußert sich z.B. in  Niedergeschlagenheit, Teilnahmslosigkeit, häufigem Seufzen… 
Zu den Emotionen der Lunge gehören Trauer, Verzweiflung und Melancholie.. Ein Übermaß dieser Emotionen schädigt sie auf Dauer – und zeigt gleichzeitig ihre Schwäche.

Symptome eines Lungen-Qi-Mangels sind u.a.:
– eine nicht aufrechte Körperhaltung
– eine schwache Stimme
– Kurzatmigkeit und flache Atmung
– Schweißausbrüche
– fahle, trockene und dünne Haut, ggf. auch Ausschläge
–  und allgemein Infektanfälligkeit

Was sie stärkt:
– Lunge belüften! Tiefes Atmen bis in den Unterbauch (mit gesamter Atemhilfsmuskulatur, einschl. Zwerchfell).
Nur bei Belüftung der Lunge bis in die letzten Alveolen wird die Lunge gereinigt (auch von Erregern) und vom Körper ausreichend versorgt, so dass ein vollständiger Luftaustausch und eine effektive Immunabwehr möglich ist.
QiGong-Übungen verbinden tiefe Atmung mit gezielten Bewegungen und Übungen, die sowohl körperlich wie auch geistig hilfreich sind und sowohl entspannen wie auch regenerieren und stärken können. 
– Es versteht sich wohl von selbst, dass ausreichend frische Luft, und damit auch das Draußensein zu körperlicher und geistiger Gesundheit und insbesondere einer gesunden Atmung gehört. Auch das Sonnenlicht ist im übrigen nicht nur für eine positive Gemütslage sondern auch für einen gesunden Stoffwechsel wichtig (und in diesem Zusammenhang ja bekanntermaßen auch für die Vitamin D Synthese).
Regelmäßiges Spazierengehen und Saunagänge trainieren den Körper und die Abwehr. 
Respektieren Sie sich, und insbesondere Ihren Körper als Ganzes und Ihre individuellen Bedürfnisse: Sei freundlich zu Dir selbst! Emotional werden die Lungen durch Respekt genährt. Legen Sie Wert auf sich selbst und was Sie tun, um den Respekt Ihrer Mitmenschen zu wecken, und dies öffnet auch Ihre Lungenenergie.
Reinigen Sie Ihre Räume und minimieren Sie damit schädliche Einflüsse. Nehmen Sie sich Zeit, um die physische Welt um Sie herum zu reinigen. Wenn Sie Ihre Umgebung buchstäblich aufräumen, spüren Sie frische Luft.
Pflegen Sie Ihre Haut, z.B. durch trockenes Bürsten. Dies fördert ihre Durchblutung und Erneuerung, erhält die Gesundheit der Haut und stärkt das Immunsystem. Aber tun Sie auch Ihrer Haut und Ihrer Seele etwas Gutes, indem Sie sich mit hochwertiger Hautpflege verwöhnen. Hände, Lippen und Nasenschleimhaut benötigen zudem zusätzliche Feuchtigkeit als Schutz. Im Herbst und Winter, und insbesondere wenn wir viel draußen sind, gehört Eincremen unbedingt zu einer achtsamen Körperpflege dazu und „streichelt“ ganz nebenbei die Seele. 
– Aber lassen Sie Ihre Haut atmen! Lassen Sie auch im Winter ausreichend Luft an ihren Körper. Packen Sie sich draußen nur zu 80% warm ein und ermöglichen Sie Ihrem Körper, die Jahreszeit und die Natur wahrzunehmen. Trotzdem sollten Sie sich natürlich vor Wind und Feuchtigkeit schützen und dabei insbesondere Ihre Nieren (den unteren Rücken) und die Füße (den Ursprung des Nieren-Meridians) vor Kälte schützen.

Ernährung:
Zum Herbst gehören scharfe Lebensmittel, die befreien, Nase und Poren öffnen und desinfizieren (wie zB. Ingwer, Rettich u.a.) aber auch warme Getränke wie Punsch und Tee gehören zum Herbst und Winter und zu einer abwehrstärkenden Ernährung.
Auf Rohkost sollte man im Herbst und Winter weitestgehend verzichten und Obst und Gemüse lieber gekocht oder gebacken oder als Suppe  (und damit warm) genießen. 
Zu einer regionalen und saisionalen Ernährung gehören im Herbst natürlich unbedingt Nüsse, herbstliche Gemüse wie Kohl und Kürbis und wärmende (Weihnachts-)Gewürze. 
Aber Achtung: „Heiße“ bzw. Hitze fördernde Gewürze wie z.B.  Zimt und Ingwer sind bei Hitze-Pathologien (z.B. bei Magen- oder Herz-Feuer) mit Vorsicht zu genießen! 

Zu guter Letzt: 
Obwohl Nahrungsergänzungsmittel durchaus in vielen Bereichen sinnvoll sind und eine gute Unterstützung bieten, ist der derzeitige Boom in diesem Bereich dennoch meiner Meinung nach ein Anzeichen der typisch westlichen symptomorientierten und einseitigen Herangehenesweise. Denn in Zeiten wie diesen ist das „boosten“ des Immunsystems (mit bekannten und bewährten Heilplfanzen wie  u.a. Cistus incanus, Kapland-Heilpelargonie und Echinacea, mit Propolis oder Heilpilzen wie Cordyceps)  zwar hilfreich und empfehlenswert – aber auch noch lange nicht ganzheitlich
Wer auf das „Große Ganze“ seines Körpers achtet – und ja, genau, tatsächlich achtsam mit ihm umgeht – der sorgt noch für sehr viel mehr als nur für sein Immunsystem: 
– für Entspannung, auch geistige, und für ein ruhiges Shen
– für eine hochwertige und wärmende Ernährung, die die eigenen (!) Bedürfnisse (und nicht die gerade vorherrschende Ernährungs-Modeerscheinung oder sog. Superfoods) und den individuellen aktuellen Zustand berücksichtigt 
– für Sport, und vorzugsweise draußen
– für viel frische Luft, in den eigenen Räumen, aber auch durch Spazierengehen und durch eine tiefe und entspannte Atmung und regelmäßiges QiGong
– für ausreichenden und guten Schlaf…

Mit anderen Worten: Der Fokus sollte sich nicht auf Krankheit richten, sondern auf Gesundheit und nicht auf einzelne Körperteile, sondern auf den GANZEN Körper! Wer gerade ausschließlich sein Immunsystem im Blick hat, betreibt zwangsläufig „Flickschusterei“. Und das hat mit (Selbst-)Respekt und „Achtsamkeit“ (schon allein durch die eng gefasste Perspektive) herzlich wenig zu tun.  – In diesem Sinne: Bleiben Sie GANZ gesund! 

Avena sativa (Hafer) ist die Arzneipflanze des Jahres 2017. 
Die bei der jährlichen Wahl der Arzneipflanze des Jahres bisher dargestellten Pflanzen sind klassische europäische Heilpflanzen, deren Bedeutung innerhalb der Medizin wieder mehr Aufmerksamkeit gewinnen sollte, die uns ständig zur Verfügung stehen (und dabei nicht erst um den Globus fliegen müssen) und deren Nutzung so einfach wie effektiv ist. 

Vom Hafer finden als Heilmittel Verwendung:
– das Kraut (Avenae herba, grüner Hafer), das klassisch als Tee erhältlich ist und zudem als Smoothie-Pulver seinen Weg in die sog. „Superfood“-Regale gefunden hat, 
– das Korn (Avenae fructus), welches als Vollkorn, aber in der Regel ganz unspektakulär als Haferflocken, Schmelzflocken (aus dem Mehl gewalzt und leichter löslich) oder Haferkleie daherkommt und
– das Haferstroh (Avenae stramentum), das hauptsächlich äußerlich Verwendung findet, z.B. als Badezusatz, bei Rheuma, Gicht und Hauterkrankungen. 

Und auch aus heutiger Sicht gerade nicht zu verachten: Laut Hildegard von Bingen stärkt Hafer die Nervenkraft! 

Hafer ist eine extrem elastische Pflanze – gewissermaßen der „Bambus“ unter den Getreiden. Bei Wind knicken die Stängel nicht etwa, sondern sie beugen sich, richten sich danach wieder auf – und stehen somit ungebrochen wieder ganz aufrecht in ihrer Mitte. Hafer ist nicht starr, sondern elastisch und beweglich, was ihn – anders als z.B. Weizen und Roggen – nach einem Sturm wieder unbeschadet aufstehen lässt. Diese Fähigkeit ist sein Vorteil und macht seine Kraft aus.

Die Wurzeln des Hafers sind kräftig und tief und sichern so seinen Wasserbedarf – und damit auch seine Elastizität. Damit ist er vom Bau und Wesen her in jeder Hinsicht belastbar – ein „grünes Stehaufmännchen“!

Von dieser Eigenschaft kann sich der Mensch etwas abgucken. In meiner Praxis verwende ich dafür meistens das Bild des Bambus – aber der Hafer ist gewissermaßen das europäische „Pendant“ dazu: Wer sich bedroht oder gestresst fühlt, verliert in der direkten Konfrontation meistens nicht nur all seine Kraft, sondern auch seine Gesundheit. Viel ökonomischer und gesünder ist es, sich im Wind sanft zur Seite zu neigen und auch mal seitlich zu bewegen und im wahrsten Sinne elastisch zu bleiben, um nicht all seine Kraft in der Konfrontation zu verlieren und u.U. sogar daran zu zerbrechen. Nicht die „deutsche Eiche“ die starr im Wind stehen bleibt, überlebt den Sturm unbeschadet… Nur wer flexibel bleibt, kann nach dem Sturm wieder aufrecht und in seiner Mitte stehen.

In solchen stürmischen Zeiten stärkt der Hafer die innere Ruhe und Gelassenheit, und damit die Resilienz und das Vermögen, sich wieder aufzurichten.

Und auch nach schweren Krankheiten wirkt der Hafer stärkend, ausgleichend und normalisiert den Schlaf und damit die Erholung.

Haferkraut (Avenae herba)
Das Kraut bzw. der grüne Hafer wird vor der Blüte, wenn der Halm noch frisch und grün ist, geerntet und getrocknet. Damit sind seine entzündungshemmenden, immunmodulierenden und nervenstärkenden Inhaltstoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe voll verfügbar. 

Indikationen:
Unruhe, Erschöpfung, Angst und Anspannung, Schlafprobleme, Immunschwäche, Altersschwäche und Rekonvaleszenz, Hauterkrankungen, Bindegewebsschwäche, Stoffwechselstörungen und Übersäuerung.

In der Ernährungslehre der TCM gehört Hafer zum Element Metall (vom Geschmack her „scharf“) und ist von der Temperatur her wärmend, wirkt von innen nach außen, bewegt das Qi, bringt die Verdauung in Schwung und löst Stagnationen.

Hafer als Korn (Avenae fructus)
Hafer wird im Juli-August geerntet.
Als Getreide ist er ein „Kraftfutter“ und (z.B. als Haferbrei) klassische Aufbaunahrung in Krankheits- und Rekonvaleszenzphasen, Schonkost bei (insb. entzündlichen) Magen-Darm-Erkrankungen, und außerdem ist er verdauungs- und stoffwechselfördernd . 
Hafer liefert im Vergleich zu anderen Getreidearten mehr Eiweiss und Fett sowie viele B-Vitamine und Ballaststoffe.
Hafer und Haferkleie (die besteht im Gegensatz zu Haferflocken nicht aus dem ganzen Korn, sondern nur aus den äußeren Schichten und dem Keimling, ist feiner gemahlen und vom Geschmack her nussiger, der Anteil an Ballaststoffen ist ca. 50 % höher) wirken blutzuckerregulierend und cholesterinsenkend. Die Ballaststoffe machen lange satt, durch sie werden die Nährstoffe verzögert aufgenommen, was den Anstieg des Blutzuckerspiegels verzögert und damit die Insulinausschüttung reduziert. Beta-Glucane binden Gallensäuren und senken das schädliche LDL-Cholesterin.
Porridge“ bzw. Haferbrei und „Overnight oats“ sind als Power-Frühstück nicht nur in England verbreitet. 

Haferstroh (Avenae stramentum)
Das Haferstroh ist das nach der Ernte und dem Dreschen des Korns übrigbleibende trockene Gras.

Die älteren Generationen (vor den „digital natives“…) kennen Haferstroh sicher auch noch als „europäische Futon-Version“: Strohmatratzen wurden vorzugsweise aus Haferstroh hergestellt.
– Und vermutlich kennt der eine oder andere auch noch den Spruch „Lebe lustig, lebe froh, wie der Mops im Haferstroh“…

Haferstroh verwendet man hauptsächlich äußerlich (meistens als Badezusatz oder als Kompresse/Wickel) bei Rheuma und Gicht und insbesondere bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Psoriasis und Ekzemen, da es entzündungshemmend, juckreizlindernd und wundheilend wirkt.

Außerdem wirkt ein Haferbad beruhigend und schlaffördernd.

Man kann sich den Badezusatz aus Haferstroh selbst herstellen, indem man es abkocht (etwa 100 g auf 2 L Wasser 10-20 Min. köcheln und dann dem Badewasser zugeben) – es gibt aber auch Haferstroh-Extrakt als flüssigen Badezusatz zu kaufen.

Hafer ist eben weit mehr als nur ein „Powerfood“!
Und was hier wächst, das muss nicht zu Dir reisen… 😉

1. der Tiger in Dir
Stress ist zunächst mal dominantes Yang
– oder auch: Sympathikotonus. Der Sympathikus übernimmt, die klassische Stressreaktion, induziert durch Stresshormone (Adrenalin, Kortisol…) als Reaktion auf den „Tiger“ (jede äußerliche Herausforderung). 

Die Folgen: Erhöhter Muskelstonus, Blutdruck und Blutzucker, erhöhte Herz- und Atemfrequenz, erhöhte Wachsamkeit und „Flucht- bzw. Kampfbereitschaft“. 
Diese aufsteigende Aktivität von Wahrnehmung und Wachsamkeit, Herz und Lunge bezeichnet in der TCM ein „aufsteigendes Yang“.  
Was ursprünglich, im Anbetracht des Tigers, sinnvoll erscheint: Die Verdauung wird runtergefahren, ebenso wie die Sexualität – vor dem Tiger wäre beides wenig empfehlendwert. 😉 Bei längeren Stressphasen erklären sich hiermit aber die Begleitsymptome… 
Stress ist im positiven Sinne die Freisetzung von Energie für unsere Höchstleistung, ein „Flow“, wie bei einem Hochleistungssportler, der zu seiner Bestform „hochläuft“… Soweit – so positiv!

Besteht diese Yang-Phase aber zu oft oder zu lange ununterbrochen, spricht man in der TCM auch von „Hitze“ – wenn es weit fortgeschritten ist, sogar von „Leere-Hitze“ (das wäre dann soz. der „Kolbenfresser“ unter den Hitze-Geschehen…) Die ursprünglich sinnvollen und physiologischen Stress-Reaktionen werden zu Symptomen: Unruhe, Reizbarkeit und Ungeduld, Schlafstörungen, Herz-Rhythmusstörungen, Bluthochdruck… Auch entzündliche Erkrankungen (u.a. im Magen-Darm-Bereich) können aus dieser „Hitze“ ihren Ursprung nehmen.

2. Das leere Glas
Der drohende Burnout: Die Erschöpfung der Niere-Energie (Nieren-Yang)

Wer zu viel Energie (Yang) verbraucht, lebt über seine Verhältnisse und geht irgendwann an die (eigene) energetische Substanz – und die liegt laut TCM in den Nieren.

Die „Nieren-Energie“, laut TCM die reinste und höchste, ureigenste Lebensenergie, ermöglicht zwar einerseits Höchstleistungen. Es ist übrigens auch diese Energie, die beim (zu extremen) Fasten verbrannt wird, was nach Ansicht der TCM gerade die Erklärung für das häufig genannte Hochgefühl beim Fasten ist. Man ist scheinbar zu allem in der Lage, ohne Hunger, ohne Schlafbedürfnis, was vorübergehend den Eindruck von „Superkraft“ erweckt. Doch diese „Kernenergie“ ist leider nicht so regenerationsfähig wie die, auf die wir im Normalbetrieb zurückgreifen und die man durch essen und schlafen relativ schnell wieder „auftanken“ kann. Wer mit seinem Qi nicht haushaltet und dauerhaft „auf Pump“ lebt, der geht im wahrsten Sinne des Wortes an seine Nieren. 

Dieser (meistens chronische) Prozess dauert zwar länger auf dem Hinweg – aber leider auch auf dem Rückweg. Und letztlich kostet es (nicht nur nach Ansicht der TCM) Lebensjahre!
„Anti-Aging“ geht anders.

Bemerkbar macht sich das durch Erschöpfung und Antriebslosigkeit, Schwäche und Schmerzen im unteren Rücken und ggf. den Knien, Tinnitus und/oder einen Hörsturz oder Störungen der Sexualität und sogar Angststörungen (aus TCM-Sicht klassische Nieren-Zeichen), die oft mit einem schleichenden Burnout einhergehen.

Wer einmal so „im Minus“ ist, der braucht eine Vollbremsung, Erholung und Regeneration und muss danach dringend runterschalten und mit seinen Ressourcen haushalten lernen.

Es gibt aber aus Sicht der TCM noch einen Faktor, der aus dem Ruder laufen kann, diesmal in Richtung „zu viel“:

3. Der brodelnde Flötenkessel 
Unterdrückung und Frust  bedingt eine Leber-Qi-Stagnation. 

Sie passiert größtenteils auf psychischer und emotionaler Ebene. Die Unterdrückung von Tatendrang,  Antrieb und Entfaltung – laut der TCM die ursprünglich positive Energie der Leber – lässt diese stagnieren. In der TCM wird die Leber beschrieben als der „General“, der „die Truppen anführt“ und „in die Schlacht zieht“. Natürlich wohnt dieser Energie auch eine gewisse (physiologische und sinnvolle) „Aggressivität“ inne. Wird aber der Tatendrang des „Generals“ aufgehalten, kommt es zur „Leber-Qi-Stagnation“… Ganz unabhängig davon, wer oder was das Hindernis ist, ob es ein inneres oder ein äußerliches ist: Die unterdrückte Energie baut (An-)Spannung auf.

Hier entstehen u.a. viele der uns als „psychosomatisch“ bekannten Symptome, unter denen nicht nur Erwachsene sondern häufig auch Kinder und Jugendliche schon leiden können: Muskelverspannung, Rücken- oder Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, z.T. auch depressive Verstimmungen… 

Trifft dieser innere „brodelnde Flötenkessel“ nun auch noch auf Stress (s.o., die Yang-Phase, der Tiger…), kann das Ganze dekompensieren.

Unterscheidung bei der Prävention & Therapie:
Stress allein ist meistens nicht das Problem und meistens erst dann behandlungsbedürftig, wenn die Erschöpfung der Nieren oder die Leber-Qi-Stagnation noch dazu kommen.

Grundsätzlich ist es gut, Pausen zu planen und entsprechende Rituale in den Alltag bauen:  Yang braucht Ausgleich: Eine Yin-Phase… Gut essen, gut schlafen, mit seiner Energie haushalten und sowohl für körperliche als auch für geistige Erholung sorgen (z.B. durch Meditation, QiGong & Taiji)…
Den eigenen „Akku-Stand“ immer im Auge behalten – und Tiefenentladung vermeiden! 😉

Bei einer Erschöpfung der Nieren-Energie ist Aktionismus völlig kontraindiziert! Im Gegenteil, hier muss gehaushaltet werden, Ruhe und Erholung haben Priorität! Wer ständig „durchzieht“, wird sonst irgendwann von seinem Körper gebremst.  Auch tonisierende (stärkende) hochwertige Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel (wie etwa Ginseng, Heilpilze u.a.) sind hier hilfreich.

Bei einer Leber-Qi-Stagnation sind solche Nahrungsergänzungsmittel mit Vorsicht zu genießen, sie würden u.U.  Öl ins Feuer gießen! Zudem sollte man bei der Ernährung an seine Leber denken, Scharfes und Hitze förderndes und u.a. Kaffee und Alkohol vermeiden.  Und es braucht ein Ventil für den „pfeifenden Flötenkessel“, eine Ausgleichs-Aktivität, denn durch Entfaltung (in welcher Form auch immer) vermeidet sich Frust. Es gilt also seine Energie in freie Bahnen zu lenken und positiv (und ungehindert) einzusetzen, das Leber-Qi fließen zu lassen und Stagnationen zu beseitigen, z.B. durch Bewegung und Sport:  Ausgleich durch positive Aktivität in jeglicher Form, erlaubt ist alles, was zu einem passt, Spaß macht und inspiriert!

Mens sana in corpore sano – und umgekehrt!

In den letzten Jahren hat sich bei europäischen TCM-Therapeuten immer mehr die Motivativon durchgesetzt, die chinesische Kräutertherapie an unser eigenes „Habitat“ anzupassen. Und aus dem Gedanken heraus, dass uns z.B. mit Pflanzen, die in unserer Umgebung leben, vermutlich besser geholfen ist – was von Anfang an meine intuitive Überzeugung ist -, haben sich einige in der TCM maßgebliche Autoren inzwischen daran gemacht, unsere europäischen Pflanzen nach TCM zu kategorisieren und analoge Indikationen und Anwendungen zusammenzustellen, um deren Anwendung innerhalb der TCM zu ermöglichen bzw. deutlich zu erleichtern. Damit rückt ein erheblicher Teil der europäischen Phythotherapie endlich wieder vermehrt in den Fokus. Zu Recht!

Bleibt nur zu hoffen, dass Die Grünen uns nicht demnächst einen gut gemeinten „Bärendienst“ erweisen mit der geforderten Regulierung von Nahrungsergänzungsmitteln: https://www.bundestag.de/presse/hib/695890-695890

Der Sommer ist (gem. der Wandlungsphasen) die Zeit des Herzens, daher stelle ich heute vor:  

Weißdorn – Beschützer des Herzens

Eingriffeliger Weißdorn: Crataegus monogyna / zweigriffeliger Weißdorn: Crataegus laevigata
Heimischer, sommergrüner, dorniger Strauch/kleiner Baum, auch (Vogelschutz-)Hecke
Arzneipflanze des Jahres 2019

Verwendete Teile: Blätter, Blüten und Früchte
Blüte: Aril bis Juni (weiß)
Beeren: ab September (rot)

Wirkung: (durch Studien belegt)
– Stärkt das Herz und dessen Schlagkraft und Schlagvolumen, z.B. bei leichter Herzinsuffizienz, und steigert die Durchblutung der Herzkranzgefäße
– Harmonisiert den Herzrhythmus (bei Herzrhythmussstörungen, Extra-Systolen u. Herzrasen)
– Reguliert den Blutdruck
– Verbessert die Elastizität der Gefäßwände und wirkt Arteriosklerose entgegen
s. auch: https://flexikon.doccheck.com/de/Crataegus

Indikationen nach TCM: 
– Herz-Qi-Mangel
– Herz-Yin-Mangel (stärkt das Yin, die Essenz des Herzens) 
– Herz-Feuer
– bewegt Herz-Qi und Herz-Blut, lässt hochsteigende Energie nach unten fließen und beruhigt den Rhythmus des Herzens
– beruhigt das Shen:
Das Herz ist das „Haus des Shen“ (Geist): Daher hilfreich bei geistiger Müdigkeit, Freudlosigkeit und Lieblosigkeit, Schlafstörungen, Nervosität und Unruhe sowie Reizbarkeit

Geschmack: süß, sauer, bitter
Temperatur: kühl

Dosierung als Tee: 1 TL / Tasse,   3-4 Tassen / Tag (ca. 1 L, kann den ganzen Tag über getrunken werden). Der Geschmack ist sehr mild und leicht süß.

Nahrungsergänzungsmittel: Standardisierte Präparate (Trockenextrakte aus Blättern und Blüten) sind auch als Kapseln (Tagesdosis 900 mg) unter dem botanischen Namen Crataegus zu finden.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
–> Achtung: Bei längerem Fortbestehen von Symptomen, u.a. bei Einlagerung von Wasser (Ödeme), Kurzatmigkeit, Herzthythmusstörungen und insbesondere bei Schmerzen in der Herzgegend, Ausstrahlung in Arme, Oberbauch oder Hals ist dringend ärztliche Kontrolle, bei letzteren Sympthomen schnellstmöglich ein Notruf erforderlich! 
Grundsätzlich ist die Verwendung jeglicher Nahrungsergänzungsmitteln immer mit dem behandelnden Arzt (insbesondere hinsichtlich etwaiger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) abzustimmen.

Im übrigen gilt: Die TCM therapiert grundsätzlich zur Mitte hin, Ausgleich bzw. Ausgewogenheit sind Voraussetzung für Gesundheit. Daher gilt es bei Feuer-Pathologien folgerichtig den Blick auf das Wasser zu richten und ggf. schwächelnde Nieren zu stärken – denn Feuer kontrolliert sich mit Wasser. (Übrigens ist nicht nur in der TCM der Zusammenhang von Blut(hoch)druck und Nierenfunktion oft ein ursächlicher und damit therapeutischer Faktor).

Zum Schluss im wahrsten Sinne noch etwas fürs Herz: 

Kleines Gebet für das „Haus des Shen“
Mein Herz ist leer und weit.  Mein Geist fühlt sich hier wohl und ruhig.
Mein Shen kontrolliert meine Emotionen und leitet mich. Es wandelt Sorge und Unruhe in Vertrauen und Achtsamkeit.
Dadurch bin ich frei – und folge der Liebe und den Momenten der Freude.

Halten Sie Ihr Herz sauber und stark!
– Und machen Sie sich einen schönen Sommer!

Der Sommer rückt immer näher! Und damit wendet sich das Bedürfnis nach Wollsocken, Sofa und heißem Tee hin zur Abkühlung im Freien und mit kalten Getränken… Wer gerne Tee trinkt hat jetzt damit nochmal richtig viel Spielraum und Anlass zum Experimentieren mit Zubereitung, Zutaten und eigenen Kreationen!

Da in der TCM die Ernährung grundsätzlich immer vor dem Hintergrund der eigenen Bedürfnisse und Gesundheit ausgewählt wird, macht es Sinn, sich über die Wirkung von Tee-Sorten im Vorfeld zu informieren und sie dann umso gezielter für sich nutzen zu können. So hat das Schöne und Leckere dann gleichzeitig noch einen gesundheitlichen Nutzen – zwei Fliegen mit einer Klappe! Und wie lecker und vor allem abwechslungsreich das sein kann, wird einem klar, wenn man anfängt, seinen eigenen Tee ganz individuell und immer wieder neu nach Tagesform zu „komponieren“.

Um Tee nach Wirkung gezielter für sich einzusetzen, sollte man die thermische Wirkung von Tee berückichtigen:
Grüner Tee kühlt, schwarzer Tee wärmt, Oolong Tees liegen in der Wirkung dazwischen, sind also eher neutral, je nach Grad ihrer Oxidation.
Grüner Tee ist also etwas für „Feuer-Menschen“ und solche, die Hitze-Symptome aufweisen (z.B. Entzündungen, Ausschlag, Verstopfung). Schwarzer Tee ist gut, wenn Wärme gebraucht wird, um den Magen zu wärmen, oder im Alter.

Im Sommer lässt sich nun das Bedürfnis nach Kühlung aber auch bei der Zubereitung berücksichtigen und Neues ausprobieren mit der Cold Brew Methode:
Grundsätzlich brauch man hierzu kein besonderes Zubehör oder besondere Flaschen, es reicht eine Saftkanne oder Karaffe und ein Teesieb, Einsatz oder Papierfilter – nur bitte kein Tee-Ei, denn viele Tees, insbesondere die gerollten, aber auch die Blüten brauchen Platz! Außerdem sollte man sich den optischen Genuss nicht entgehen lassen: Gerade die Blüten machen in einer Glas-Kanne einen schönen Anblick. Wichtig ist beim Cold Brew nur die Langsamkeit: Man sollte den Tee am besten im Kühlschrank über Nacht ziehen lassen.  Alternativ kann man ihn mittels der „Drip“ Methode ziehen lassen, bei der das Wasser nur tropfenweise durch den Tee läuft, hier gibt es entsprechende „Dripper“, bei dem ein Wasserbehälter mit Tropfventil und Edelstahlsieb auf die Kanne gesetzt wird. Beides setzt im Grunde auf die Langsamkeit und die damit sehr schonende Zubereitung und Extraktion.

Und gerade hier lohnt sich unbedingt, auch mit hochwertigen Grüntees zu experimentieren,  etwa mit meinem persönlichen Lieblings-Grünen Meng Ding Gan Lu – der „süße Tau vom Berg Meng Ding“. Dieser erstklassige Hochlandtee aus der Provinz Sichuan ist die meiste Zeit vom Nebel bedeckt, daher seine Frische und Süße – die nicht nur bei 75 Grad, sondern meiner Meinung auch als Cold Brew besonders zur Geltung kommt. 

Oder auch die beliebten „Drachenperlen“ (mit Jasmin), dieser Grüntee kommt auch bei Kindern als Cold Brew sehr gut an! Da die Perlen Platz zur Entfaltung brauchen, sollte man gerade hier ein großes Teesieb verwenden oder direkt in einer Glaskanne ziehen lassen, so dass man die Entfaltung der Blätter und ggf. zugesetzten Blüten auch optisch genießen kann. 
Jasmintee löscht gut den Durst und erfrischt auch geistig, denn das sehr blumige Aroma ist spürbar stimmungsaufhellend. Er hat zudem eine Hitze besänftigende und entgiftende Wirkung, kontrolliert das Qi, ist mild zum Magen und beruhigt die Sinne.

Chrysanthemen: „Ju Hua“
– einer der wichtigsten Tees der TCM. Sie lindern Hitze (zB. aus „heißer“ Nahrung oder Leber-Feuer), wirken antibakteriell, antiviral, antimykotisch, blutdrucksenkend, gefäßerweiternd, entzündungshemmend, vorbeugend bei Migräne und finden Anwendung bei hochschlagendem Yang, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Kühlen von Hitze, Ekzemen und zur Unterstützung der Leber, auch bei Entgiftung.  Schmeckt auch solo (wenn sie wirklich frisch sind!), aber besonders mit Rosenknospen und/oder Goji-Beeren.

Rosenknospen
sind beruhigend und entspannend, Durchblutung u. Stoffwechsel fördernd und Haut schützend. Tipp: Zusammen mit Chrysanthemen aufgießen. Nach TCM ergänzen und verstärken sie sich besonders gut, sie passen auch geschmacklich sehr gut zusammen und geben ein wunderschönes Bild in einer Glaskanne ab.

Osmanthusblüten
Die Miniblüten sehen aus wie Holunderblüten, nur in leuchtend gelb, sind zart süß und duften nach Champagner. Sie wirken beruhigend und stimmungsaufhellend. 
In Taiwan sehr beliebt in Kombination mit hellem Oolong (zB.  Anxi Tie Guan Yin). Auch diese Kombination kann man als Cold Brew ausprobieren!

Lindenblüten
sind neutral bis kühl und leicht scharf. Sie eliminieren Wind-Hitze, wirken fiebersenkend und erfrischend, tonisieren Milz-Qi (bei Verdauungsschwäche), sie helfen bei Schlaflosigkeit, Unruhe und Angst und beruhigen übrigens nicht nur den Geist (Shen), sondern auch gereizte Haut! Da die Lindenblüten sehr sanft lieblich schmecken, gehen sie bei geschmacklich dominanten Zutaten etwas unter, daher kombiniere ich sie am liebsten mit Zitronengras und Osmanthusblüten oder Rosenknospen.

Minze
ist hilfreich bei Verdauungsproblemen und Magenschmerzen, kühlt und erfrischt. Auch bei Kindern beliebt. Probieren Sie mal die Kombination mit Sanddorn! Oder experimentieren Sie selbst mit Blüten, Kräutern und Beeren als „bunte Infusion“ für den Sommer.

Zitronengras
kühlt Feuer (Magen / Leber), tonisiert das Milz-Qi, beruhigt das Shen (Geist). Auch Zitronengras lässt sich super kombinieren – und zwar nicht nur in der handelsüblichen Kombination mit Ingwer (der im Sommer eher ungeeignet ist), sondern z.B. auch mit Rosenknospen…

Salbei
kühlt Hitze durch Yin-Mangel, tonisiert Wei-Qi (Abwehr), Lungen-Qi, Milz-Qi und Nieren-Qi. Haben Sie den schon mal mit Mandarinenschalen gemischt? 

Mandarinenschalen (Chen Pi) gehören auch zu den wichtigen Tee-Zutaten in der TCM. Sie wärmen,  tonisieren das Milz-Qi und trocknen Feuchtigkeit.

Zitronenschalen
sind thermisch neutral, kühlen Magenfeuer, tonisieren Milz-Qi und Leber-Qi und helfen bei hohem Cholesterin u. Blutfett. 

Goji-Beeren
sind in der TCM das klassische Nieren- und Qi-Tonikum, sie werden als Tee häufig zusammen mit Chrysanthemen aufgebrüht und ergänzen sich auch geschmacklich prima!
Übrigens muss man sie nach dem Aufbrühen nicht etwa entsorgen, sondern kann sie danach noch aufessen, denn aufgebrüht werden sie weich und besonders süß und aromatisch! 

Sanddorn – was im Winter der Punsch, ist im Sommer der Eistee…
Sanddorn kühlt bei Feuer, Entzündungen, Ekzemen, Reizbarkeit und Migräne, tonisiert Wei-Qi (Abwehr) und Herz-Qi, löst und transformiert Feuchtigkeit u. Schleim (u.a. bei erhöhtem Cholesterin u. Blutfett). Ich kombiniere ihn im Sommer z.B. mit Minze und Mandarinenschalen (und im Winter mit Ingwer und einem Schuss Orangensaft als heißen Punsch).

Hagebutten 
sind kühl bis neutral, entzündungshemmend und schmerzlindernd bei Arthrose, reich an Vitamin C und gut für das Immunsystem. Auch bei Hagebutten lohnt es sich, mal ganz nach eigenem Geschmack und abseits der klassischen Früchteteemischung nach eigener Intuition zu kombinieren –  z.B. mit Minze und Osmanthusblüten?

Zum guten Schluss noch ein Tipp, der nicht so sehr „TCM-konform“ geht, sondern eher als Genussmittel durchgeht – und unfassbar lecker ist: Thai Ice Tea.
Klassisch wird er zwar mit schwarzen Tee zubereitet, aber m.E. lässt er sich fast noch besser mit grünem Tee oder Oolong (für Kinder auch mit Minze oder griechischem Bergtee) aufbrühen – und vielleicht auch mal als cold brew?
In den gebrühten Tee kommt gestoßenes Eis und ein Schuss Kondensmilch oder wahlweise Kokosmilch. Das Auge trinkt mit: Genießen Sie die „Milch-Blüte“ im Tee!  Wer auf die schöne Optik verzichtet, kann natürlich wahlweise mit dem Eis schaumig shaken…
Wie gesagt: Hier geht es um reinen Genuss – aber der darf schließlich ganz im Sinne des in der TCM höchsten Gebots des Ausgleichs  ja auch mal sein! 😉

Machen Sie sich einen schönen Sommer!

Anleitung: 
Ich habe mein „Bohnen-Experiment“ schon häufig in Kursen als didaktisches Hilfsmittel zur besseren Wahrnehmung des Fuß-Punktes Yongquan mit einigen „Aha-Erlebnissen“ angewendet. Doch eigentlich eignet es sich fast noch besser für zuhause und mit längerer Dauer als nur für 1 Stunde.

Äußerst simpel in der Anwendung, aber sehr effektiv:
Man nehme zwei getrocknete Linsen, Erbsen oder Bohnen (in Abhängigkeit von der eigenen Fußform und -haltung und der Höhe des Fußgewölbes) und klebe sich jeweils eine mit Sportler-Tape unter die Fußsohle genau auf den Punkt Yongquan
Sie sollten beim Auftreten und Gehen dauerhaft wahrnehmbar/spürbar, aber natürlich nicht schmerzhaft sein.
Für mindestens die nächste Stunde oder auch mehrere sollte man nun mit diesen kleinen „Punkt-Remindern“ unter den Füßen herumlaufen, sich bewegen, trainieren, den Zehenspitzenstand üben – und dabei darauf achten, dass sich der Körperschwerpunkt immer wieder genau über diesen Punkten ausrichtet, dass man also „im Lot“ über diesen Punkten steht.
Die meisten von uns stehen nämlich zum einen viel zu weit hinten, mit dem Schwerpunkt über den Fersen (was enorm anstrengend und belastend für den Rücken ist). Und oft kippen wir bei der Hebung in den Zehenspitzenstand ab einer bestimmten Höhe unwillkürlich auf die (lateralen) Außenkanten der Füße. Dabei sollte man der Standsicherheit halber versuchen, lieber etwas tiefer zu bleiben und dafür die Ausrichtung über der Mittelachse des Fußes (und über Yongquan) beizubehalten – es steht sich so nicht nur sicherer, sondern auch deutlich länger und beinahe mühelos im Zehenspitzenstand!
Auch das Gehen, Laufen und insbesondere das längere Stehen über Yongquan (bei entspannten Knien) ist auf Dauer spürbar müheloser! Wenn man dies so weit verinnerlicht, dass es zur unbewussten Gewohnheit wird, hat man einen ersten ganz wesentlichen Schritt in Richtung „ressourcenschonender Körperhaltung und Bewegung“ schon erreicht!


– Angesichts der gerade jetzt besonders notwendigen Bodenhaftung und Standsicherheit in allen Lebensbereichen halte ich es für besonders wichtig und effektiv, noch einmal zu Punkt 1 meines letzten Beitrags über das „stehen lernen“ zurückzukehren: Die Füße …

Sie gehören für mich mit zu den wichtigsten grundlegenden „Basics“, zu den primär notwendigen rein körperlichen Ausrichtungen, derer es bedarf, um sich in der Folge ohne Verluste in fortgeschrittene Bewegungenformen, Körperwahrnehmung und in geistige bzw. meditative Aspekte vorzuwagen. – Schließlich macht es keinen Sinn, Wände hochzuziehen, wenn das Fundament nicht fertig ist.

Aus diesem Grund habe ich nicht nur in meiner eigenen weiteren Ausbildung das Tempo zugunsten der Qualität noch einmal gedrosselt und vertiefe noch einmal meine Grundlagen, mit der Feststellung, dass dieser Fortschritt zwar „kleiner“ aber dafür wesentlich und effektiv und damit auch motivierend ist.

Aber auch bei meinen Kursen und Coachings haben derzeit diese Grundlagenbausteine zur Haltung in der Bewegung, die wir gerade zurecht rücken und bewusst machen, ganz viel positive Resonanz und neue Motivation hervorgebracht.

Es gibt kaum etwas, das ich beim Qigong häufiger in Erinnerung bringe als den Stand über Yoangquan und die schwerpunktmäßige mittige Ausrichtung des Körpers. Und es ist immer wieder ein großes „Aha“ zu sehen, wenn ich mein Experiment mit den Bohnen in den Kursen nutze. 

Und gleichzeitig gibt es kaum etwas, das so häufig im „laufenden Betrieb“ verloren geht und vergessen wird, wie die Ausrichtung, Haltung und der Schwerpunkt beim Stehen und Gehen und die Wahrnehmung des Punktes Yongquan als „Kontakt- bzw. Wurzelpunkt“ des Körpers zur Erde.

Wer aber seine Wahrnehmung immer wieder mal auf diesen Punkt richtet – und seine Haltung daran ausrichtet, schafft die Voraussetzung dafür, dass dieses „energetische Einsparpotential“ und diese Bodenhaftung und Standsicherheit zur Selbstverständlichkeit wird und ins Unterbewusstsein übergeht – und hat dann sowohl eine gute Voraussetzung wie auch die Aufmerksamkeit frei für „höhere Ziele“… 

Standsicherheit ist nicht nur beim QiGong, sondern sehr spürbar auch in den Kampfkünsten (spätestens wenn sie fehlt und man dem Boden näher kommt als geplant) aber natürlich auch im „wirklich wahren Leben“ ein großer Vorteil.

In diesem Sinne:  Wer stehen kann, ruht sicher in seiner Mitte.

Was wir gerade erleben ist eine Situation, die unendlich viel Kraft abverlangt. Und es ist der sprichtwörtliche „Übergang zu etwas Neuem“, die im „Jahr der Ratte“ zu erwartende Erneuerung – und damit verbunden der Abschied von Vielem, was nicht mehr gut für uns ist…

Wir kennen die Situation im Kleinen von bereits erlebten kleinen „Umwälzungen“, etwa, wenn wir umziehen. Plötzlich sind Freunde, auf die man im Umzug fest gezählt hätte, unverhofft nicht mehr da – und dafür sind plötzlich andere Menschen da, mit denen man gar nicht gerechnet hätte… 

So ist es auch jetzt gerade, und das klingt jetzt ein bisschen nach Ansprache vom Bundespräsidenten, aber tatsächlich: In der Krise lernen wir das Beste und das Schlechteste im Menschen kennen – in uns selbst und in anderen. Pötzlich treten Dinge ganz deutlich zu Tage, die vorher gar nicht so sichtbar waren. Aber wir lernen auch neue Fähigkeiten an uns kennen – und alte Werte ganz neu: Solidarität, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl, Geduld, Respekt…

Aber die Krise ist eben auch eine Chance – doch aus ihr kommen wir nur heraus, wenn wir uns auf die Lösung konzentrieren, nicht auf Schuld, auf die Fähigkeiten, nicht die Fehler, auf das was möglich ist, nicht das was gerade schief läuft oder nicht funktioniert. Menschen, die in der Not fokussieren und aus der Krise herausfinden, konzentrieren sich auf Notwendigkeit, Möglichkeit und Machbarkeit und lernen so mit ihren Ressourcen umzugehen. Es ist einb bisschen so, als müsste man als Laufanfänger plötzlich einen Marathon laufen: Um das zu schaffen, das wird jeder Läufer wissen und bestätigen, muss man lernen, seine Kraft weise einzuteilen!

Deshalb ist, glaube ich, gerade das drigend Notwendige gerade jetzt die eigene Balance, aber auch der achtsame Umgang mit Kraft und Ausdauer. 
Das erinnert mich ganz plastisch an eine der grundlegenden Übungen im Taiji, Bagua und Qigong, an die „stehenden Säulen“, daher möchte ich hier eine „Mini-Anleitung“ dazu bzw. zum stehenden Meditieren in Erinnerung rufen bzw. als „Challenge“ in den Raum stellen, eine kleine Möglichkeit, zu eigener Balance und Mitte, aber insbesondere zu neuer innerer Kraft zu finden.

Es geht also nicht darum, einen Marathon zu laufen, sondern im Gegenteil darum zu stehen – lange zu stehen, und sich zu zentrieren – und dennoch wird es darum gehen, sich seine Kraft gut einzuteilen, neue zu finden und zu mobiliseren und möglichst keine zu verschwenden.

Daher gehen wir ganz systematisch und ziemlich pragmatisch vor – bitte zunächst lesen, dann ausprobieren:

1. Wer stehen will, muss auf seine Füße achten!
Stehe möglichst im hüftbreiten Stand, dh.,Hüftgelenke, Knie und Füße stehen genau übereinander und damit die Beine genau parallel. Das ist wichtig! Stehst Du zu eng, wirst Du Kraft darauf verschwenden, auf Dauer die Balance zu halten, stehst Du zu breit, wird (und das ist simple Vektorrechnung und Schwerkraft) der verlängerte Weg der Schwerkraft außerhalb Deiner Mitte Dich auf Dauer „runter ziehen“ und schwer machen. Im hüftweiten Stand aber kannst Du Dein Gewicht auf dem kürzesten Weg in den Boden abgeben. Der leichteste Stand ist somit der hüftweite Stand – und das kannst Du an jeder Bahnhaltestelle, Supermarktkasse o.ä. gerne immer wieder ausprobieren, indem Du die Standweite änderst und vergleichst: Wann stehe ich lange mühelos?

OK, dieser hüftweite Stand ist nur die erste Dimension, was die Füße angeht: Die zweite ist die Fußachse selbst: Stehst Du über dem Fußgewölbe – also über dem vielzitierten Punkt Ni1 (Yongquan)? Überprüfe es, indem Du schaukelst und zur Mitte kommst: Erst auf die Vorderfüße verlagern – das ist auf Dauer anstregend, denn es erfordert Gegenleistung, um nicht zu kippen… Dann auf die Fersen verlagern – und da macht sich ein deutlich spürbarer Zug an der Wirbelsäule nach unten bemerkbar, als hätte man Gewichte aufgeladen, der Rücken wird plötzlich sehr schwer werden – was sich sofort wieder bessert, wenn man wieder zur Mitte hin verlagert, zurück über das Fußgewölbe, und über Yongquan steht. 

Übrigens nicht nur hinsichtlich der Längsachse des Fußes: Sowohl das Einknicken des Fußes zur Mitte hin als auch das Verlagern auf die Außenkante der Füße kostete Kraft, um die Position zu halten! Eine Ausrichtung über der Mittelinie des Fußes aber bringt den Fuß in die tatsächliche Nullstellung, die ohne „Gegenregulierung“ auskommt. Sind die Füße „im Lot“ und muskulär trainiert, ist dies mühelos möglich – und falls es Mühe macht, lohnt es sich, diese „Baustelle“ für die Zukunft einmal genauer zu betrachten…

Schau Dir ruhig Deine Füße mal an – man darf sehr gern nach unten sehen dabei! Stehen sie hüftbreit? Gerade nach vorne ausgerichet, ohne Außenrotation? Liegt Dein Schwerpunkt über dem Fußgewölbe bzw. Yongquan? Dann ist das „Fundament“ fürs Stehen gesetzt. Die Füße sind der Kontakt zu Erde und unser einziger „fester“ Punkt, auf dem wir aufbauen – alles was darüber kommt und auf „schlechten Füßen“ steht, wird nicht lange halten…

2. Getreu dem Motto „von unten nach oben“ gehts jetzt zu den Knien: Sind die locker? Oder durchgedrückt? Was passiert, wenn sie durchgedrückt sind? Eine Haltung mit Hohlkreuz. Löst man die „eingerasteten“ Knie wieder und lässt sie locker, lockert sich auch das Hohlkreuz – und macht eine Haltung „im Lot“ erst möglich, was zu Entspannung führt. Und Entspannung beinhaltet Mühelosigkeit – und die brauchen wir gerade.

3. Weiter gehts nach oben – zur Hüfte. Wir suchen wieder die Nullstellung: Lege Deine Hände flach auf die Leisten und kippe das Becken nach vorne, als wolltest Du sitzend einen Stuhl zum Tisch vorziehen. Wenn Du unter den Händen das Anspannen der Muskeln spürst, hast du die Nullstellung nach vorne verlassen – und vergeudest Kraft, die Du einsparen wolltest. Kippe das Becken wieder nach hinten, bis die Muskelspannung nicht mehr spürbar ist. Wenn Du weiter nach hinten kippst (so als wolltest Du sitzend den Stuhl wieder vom Tisch weg schieben), wirst Du die Spannung auf dem Kreuzbein spüren – auch die ist nicht hilfreich, also zurück zur Mitte. Da, wo nach dem Vor- und Zurückkippen des Beckens weder vorne noch hinten Spannung spürbar ist, ist die gesuchte Nullstellung, die „Energiesparstellung“.

Die 4 bringt Unglück, die überspringen wir mal 😉

5. Vom Becken aus machst Du einen Abstecher zum unteren Dantian, zum Unterbauch. 
Lege Deine Hände beide übereinander auf den Unterbauch und versuche für mindestens 5-6 Atemzüge so tief zu atmen, dass die Atmung bis unter Deine Hände kommt. Das ist tief – und seeeehr langsam. Die Dantian-Atmung ermöglicht es Dir, im Laufe einer Qigong-Übung die Atemfrequenz von „normal“ 12-16 Atemzügen auf ca. 6-8x/Minute zu reduzieren – und dabei nicht nur die gesamte Atemhilfsmuskulatur (Rippen, Zwerchfell…) mit einzubeziehen, sondern vor allem das vollständige Lungenvolumen zu nutzen und zu ventilieren (was der Inbegriff von Prävention für gesunde Lungen ist!), sondern den ganzen Körper durch diese effektive Atmung bestmöglich mit Sauerstoff zu versorgen! Da wir ohne nicht können 😉  lohnt sich das Optimieren dieses Vorgangs…

6. Weiter gehts nach oben: Zum Brustbein. In den „martial arts“ ist die Haltung mit „rundem“ Brustkorb ein weit verbreiteter Anblick – aber nicht nur da: Wer sich aufmerksam umsieht, wird feststellen, dass die allermeisten gerade in der Brustwirbelsäule schon die aufrechte Haltung vermissen lassen und im Alltag die meiste Zeit in der Haltung „einsinken“ – und damit auch hier ihre mittige Haltung aufgeben, aus dem Lot geraten und damit ihre Wirbelsäule einseitig belasten! Diese Abweichung von der physiologischen Haltung bringt gerade in Bezug auf die Brustwirbelsäule die Verspannungen zwischen den Schulterblättern mit sich, die die meisten sehr gut kennen, nur schwer wieder loswerden und sich beim Physiotherapeuten mühsam los-therapieren lassen… Um die BWS und zwangsläufig damit auch die Schultern in eine entspannte und mühelose Stellung zu bringen, suchen wir wieder die Nullstellung: Stell dir vor, auf Deinem Brustbein ist ein „Aufhänger“, an dem Du Dich nach oben ziehen kannst. Indem Du Dein Brustbein hochziehst, fallen die Schultern automatisch seitlich runter und in ihre eigene Nullstellung – so wie auch der Rest der BWS. So als würde man eine „verkantete“ Marionette kurz ausschütteln und wieder locker aufstellen. Brustbein hoch, Schultern fallen lassen, Brustkorb locker, Körperschwerpunkt in der Mitte… 

7. Die höchste Stelle des Körpers, der höchste Akupunkturpunkt und neben Yongquan weiterer wichtiger Bezugspunkt im Qigong und Bagua ist Baihui (Dumai 20). Das ist nicht in der Mitte oben auf dem Kopf, sondern von der Mitte etwas nach hinten versetzt. Man findet den Punkt, wenn man mit den Daumen in seine oberen Ohrspitzen einhakt und die Mittelfinger auf dem Kopf zusammenführt. Da wo die sich treffen, ist  bei geradem Stand die höchste Stelle am Kopf – und eine kleine spürbare „Delle“, die man sich gern bei Kopfspannung massieren kann (und von vielen Orthopäden sehr gern akupunktiert wird, da sie eine beruhigende Wirkung hat). Stelle Dir nun vor, an diesem Punkt knüpft ein Faden an, der Dich stetig sanft nach oben zieht und aufrichtet. Lass diesen Punkt immer wieder nach oben schweben und den gesamen Körper daran aufrichten und zum Himmel ziehen! Vermutlich wirst Du in diesem Moment gefühlt 1-2 cm länger werden und zum Himmel wachsen – und so soll es sein!

8. Jetzt bist Du durch Deinen Körper gegangen und hast die wichtigsten „Energiefresser“ geprüft und „auf Null gestellt“. Es ist, als würdest Du durch Deinen Körper gehen wie durch Deine Wohnung, um in allen Zimmern die Lampen auszuschalten, die nicht benötigt werden. 
So banal das klingt: Im Alltag, in der Wohnung, beim Heizen, beim Autofahren, überall denken wir daran, Energie einzusparen – nur nicht bei uns selbst! Das ist unvernünftig! 
Wenn Du also im Alltag, bei Anstrengung, Stress oder auch nur mitten in Deiner QiGong-Stunde immer wieder mal in Erinnerung rufst „Lichter aus!“ und kurz durch Deinen Körper gehst und checkst, ob irgendwo eine Lampe brennt, die Du nicht brauchst, ein Gelenk blockiert ist, ein Muskel unnötig angespannt ist, dann ist das die effektivste „Energiesparmethode“, die ich kenne: denkbar einfach, verblüffend mühelos und respektvoll. Sinnvoller kann man Körperwahrnehmung nicht einsetzen.

9. Soweit die „Startposition“ – jetzt kommt das „Go!“: Verbinde alle diese Punkte durch Deinen Körper.
Hände liegen weiterhin auf dem Unterbauch.
Mit dem Einatmen den obersten Punkt Baihui noch ein Stückchen zum Himmel ziehen und tief ins Dantian atmen –
mit dem Ausatmen lasse Dein Gewicht durch die Füße und Yongquan in den Boden sinken.

Du kannst diese Atmung zunächst für 3 Minuten üben (das sind vermutlich ca. 25 Atemzüge, probier es einfach mal aus) –  und dann schrittweise beim nächsten Mal auf 5, auf 8 auf 10 Min. erhöhen… Das ist länger als es sich anhört!

Je länger man steht, desto deutlicher werden die „Lampen“ leuchten, die noch unnötig Energie ziehen – und wenn sich eine meldet (und das wird so sein), dann geh einfach immer wieder im Geiste durch Dein „Castle“ und schalte die brennenden Lampen aus
Immer schön weiter atmen. Das Stehen wird leichter…

Lenke Deinen Blick nach innen, zu Dir hin, in Dein Herz. 
Knipse den Geist aus und tauche für ein paar Minuten ins Yin.

Ich wünsche Euch ganz viel Kraft, Balance und Leichtigkeit!

Die aktuelle Situation und die offensichtliche Unfähigkeit vieler Menschen, mit Langeweile oder Leere umzugehen, ist für mich gerade etwas erschütternd, denn es macht den Eindruck, dass die Menschen den geistigen Ausgleich, die Ruhe und die Wahrnehmung von Leere im Laufe der letzten Jahre völlig verlernt haben. Und dabei ist sie (oder sollte es sein) nicht nur ein natürlicher Zustand und Teil des Ganzen, sondern sogar notwendiger Ausgleich.

Künstler werden es in „fachspezifischer“ Weise kennen: Muse, Inspiration, Kreativität entsteht nur durch sie: Langeweile, Leere, Ungezwungenheit und Absichtslosigkeit – ja geistige Leere!

Der allgemein bekannte Begriff des „Gehirnjogging“ impliziert im übrigen eine durchaus allgemein bekannte Erkenntnis: Das Gehirn, seine Leistung, seine Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und das Fokussieren, lassen sich trainieren. 

Nun weiß aber jeder der irgendetwas trainiert auch: Nach Training (Anspannung) sollte Dehnung (Entspannung) erfolgen. Nach intensiver Beanspruch eine Regenerationspause… 

In den letzten Jahren unserer „Höher-weiter-schneller-Leistungsgesellschaft“ hat sich die Yang-Lastigkeit unseres Lebens auf den Geist auf ganz extreme Weise ausgewirkt:  Wir leben in einer Dauer-Fokus-Schleife, in geistiger Dauer-Leistung, in ständigem „Online-Sein“, in einem Alltag, in dem Kinder „bespaßt“ werden müssen (hallo???), in dem bei Erwachsenen, wenn sie zum Rückzug aufgefordert werden, ein reaktiver Aufschrei der Verzweiflung und des Aktionismus durchs Netz geht – aus lauter Angst vor… was??? 

Warum führt Ruhe und „Langeweile“ plötzlich zu geistiger Unausgeglichenheit (und daraus resultierend sogar zu Gewalt)? Weil wir die geistige Entspannung nicht mehr kennen und einschätzen können?

Woran liegt es denn dann, dass ausgerechnet die Menschen, die exemplarisch hochfokussiert und konzentriert arbeiten (müssen), nämlich die vielzitierten Manager, in den letzten Jahren immer intensiver und verbreitet die Meditation als geistigen „Ausgleichs-Modus“ für sich entdecken? Offenbar wird doch dem einen oder anderen intuitiv klar: Da muss ein Ausgleich her: Wo Informationsflut ist, muss auch mal Leere sein! Wo Dauer-Fokus ist, muss auch mal ein „geisitger Weitwinkel“ das ewige Fokussieren unterbrechen und den Geist „stretchen“, alias entspannen.

Im Grunde ist diese Fähigkeit die grundlegende Übung einer Meditation: Flatline, Weitwinkel… Es ist nicht dasselbe wie schlafen, aber fast, was bleibt ist eine diffuse Wahrnehmung, der Tatsache, dass man da ist – und dass es auch ein „Drumrum“ gibt… nicht mehr und nicht weniger.

Im Qigong und Taiji und nach meiner Wahrnehmung auch im Circle Walking des Bagua Zhang wird zu einem Großteil mit der Aufmerksamkeit, dem Willen, dem Yi gearbeitet, das dem Qi und dem Jing in der Ausführung von Bewegung und Wirkung vorangeht – soweit der gezielte Einsatz, soweit der fokussierte Teil, der mit Intention, sei es präventiver oder therapeutischer (im QiGong) oder auch interaktiver und kämpferischer (im Taiji und Bagua), ausgeführt wird.

Daneben – und das ist die „Kehrseite“, der Ausgleich, der mindestens gleichwertige Bestandteil – gibt es im QiGong und in den Kampfkünsten die ganze Bandbreite von „Neigong“ (innere Arbeit), „stillem QiGong“, den „stehenden Säulen“, dem Circle Walking des Bagua bis hin zur bewegten, stehenden oder stillen Mediation in deren ganzen Vielfalt und Zugangsweise. 

Welchen Ansatz man auch immer in diesem Bereich verfolgt, bevorzugt oder für sich entdeckt, gemeinsam ist diesen „Übungen“ die Wiederentdeckung und Befähigung zur geistigen Divergenz, zur „Wahrnehmungs-Erweiterung“, zur Entspannung. 

Das ist es, was für mich die „martial arts“, die Bewegungskünste, QiGong und Meditation mit der TCM verbindet und mit dem Daoismus. 

Leere und Ausdehnung ist Ausgleich, Notwendigkeit, Voraussetzung für Gesundheit und Integration in die Natur, deren Teil wir sind.

In der TCM ist das oberste Gebot, den Organismus in seiner Fähigkeit zur Selbstregulierung zu unterstützen.
Die „goldene“ (weil ausgewogene) Mitte ist das Ziel – und damit ist jedes Extrem, ob Völlerei oder beim Fasten, zu vermeiden.

Das Fasten gehört zum Yin – und ist damit (oft notwendiger) Ausgleich zum Yang. 
Darin liegt die wichtigste therapeutische Wirkung des Fastens: Das Ausleiten von pathologischer Hitze und Fülle – also z.B. Entzündungen jeglicher Art, Bluthochdruck, Migräne, roten Hautausschlägen u.ä. (und dies sind die Indikationen).

Problematisch wird das Fasten bei Mangel-Zuständen: Kälte, Schwäche (z.B. durch Krankheit), bei erhöhtem Bedarf in der Schwangerschaft und Stillzeit – und bei übermäßiger Aktivität in der Fasten-Phase. Bei Mangel an nachgeburtlichen Energie-Ressourcen wird der Körper auf die vorgeburtliche und essenzielle Energie aus den Nieren (Jing) zurückgreifen – dies schadet ganz substanziell der eigenen Gesundheit! 
Daraus erklärt die TCM übrigens auch das „Hochgefühl“ während einer Fastenkur: Hier wird die essenzielle Energie verbrannt.  

Fallen Fasten und Yang (Aktivität) zeitlich zusammen, gerät der Körper in Stress! Dies beschleunigt den körperlichen Alterungsprozess!
Richtig ist, in der Fasten-Zeit möglichst Anstrengung, Aktivität, Sport, Aufregung u. Stress zu vermeiden, sich zu entlasten, viel zu schlafen, sich Ruhe und Rückzug (am besten durch Urlaub) zu erlauben, um damit tatsächlich dem Körper die Gelegenheit zu geben, sich ins Yin zu vertiefen. Nur dann ist der Körper dazu in der Lage, die Yin-Phase zu nutzen für Zell-Reparaturen, „Hausputz“, Entgiftung, Verdauung (körperliche und geistige) und Regeneration… 

Bevor Sie sich also in den Frühling (und ins Yang) stürzen – nehmen Sie sich eine Auszeit: Eine Yin-Zeit!

Anleitung zum Reis-Fasten (3-8 Tage):
– Auf Kaffee, Alkohol, tierische Nahrungsmittel und Süßigkeiten verzichten
– Morgens und mittags: Reis mit Mung- oder Adzukibohnen, kleine Mengen (bei Hitze auch rohes) Gemüse
– Für Reissuppe (eine echte Heilnahrung!) den Reis mit mehr Wasser, ca. 2 Stunden kochen
– Sparsam würzen! Wenig Salz und etwas kaltgepresstes Olivenöl oder Sesamöl
– Abends gedämpftes Gemüse, Gemüsesuppe (ohne Reis)  oder Rohkost
– Getränke: warmes Wasser, Grüntee (kühlt), Brennnessel-Tee, Löwenzahn-Tee, Maisbart-Tee, Maulbeerblätter-Tee



Für Anfänger ist der „kleine Kreislauf“ eine Herausforderung – und doch lohnt es sich! Warum? Er ist ein kleiner „Tausendsassa“!

  • Der kleine Kreislauf ist grundsätzlich „stilles QiGong“ – und als solches auch ein fließender Übergang vom QiGong hin zur Meditation.
    Er verbindet damit die ganze Bandbreite des QiGong und die Vielseitigkeit der Übungsmöglichkeiten. Und er ist ein sehr guter Indikator für die Qualität und den Fortschritt, an ihm lässt sich meistens deutlich ablesen, wie intensiv und wie lange jemand schon übt. Er verändert sich nicht nur innerhalb einer Übungs-Einheit (von idealerweise 15-30 Wiederholungen) bereits spürbar in der Qualität – er verändert sich im Laufe der Monate und sogar noch über Jahre kontinuierlich. Kaum eine andere Übung macht Qualität und Veränderung so deutlich spürbar.
  • Wie generell beim QiGong ist man völlig unabhängig von jeglichem Zubehör, Ausrüstung, Setting oder Zeitaufwand, da man einfach überall üben kann – und schon mit 5-10 Minuten Zeit merklich davon profitiert! Man kann ihn jederzeit üben, als „Mini-QiGong-Pause“, um sich zu „reseten“, Herz und Atmung (innerhalb von wenigen Minuten) zu beruhigen, zu entspannen und im wahrsten Sinne des Wortes zu zentrieren (auch von der körperlichen Mitte zur geistigen).
  • Damit ist es eine perfekte Vorbereitung zur Meditation!
  • Die Kombination aus Fokussierung und Zentrierung auf die körperliche Mittelachse, tiefer Atmung und fließender Übung gibt einem nicht nur Entspannung (sowohl geistiger als auch des Rückens!) zurück, sondern auch Beweglichkeit und Elastizität. Die Wechselwirkung zwischen geistiger und körperlicher Anspannung ist längst kein Geheimnis mehr, daher macht es Sinn, gerade Rückenschmerzen eben nicht nur durch Gymnastik und Muskeltraining zu begegnen.
  • Prinzipiell gilt im QiGong: Probieren geht über Studieren – es ist wesentlich effektiver, QiGong körperlich durch Übung im wahrsten Sinne zu „begreifen“ – nicht desto trotz ist es für uns „verkopfte Wessis“ durchaus hilfreich zu verstehen, was genau passiert: Siehe Der „kleine himmlische Kreislauf“ (Xiao Zhoutian) – Dennoch: Auch wenn der kleine Kreislauf sicherlich nicht des Anfängers bester Freund sein wird (und das geht vermutlich jedem so!), so lohnt sich doch, ihm einen Vertrauensbonus zu schenken und ihn zu üben, der Lohn folgt verglichen mit anderen QiGong-Übungen zwar etwas später, aber er kommt! Da hilft tatsächlich die typisch „chinesische Didaktik“: Einfach mal dran bleiben und geduldig üben, ganz ohne Fragen und Nachdenken – bis einem „das Licht aufgeht“…