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Schon Paracelsus kannte die Wirksamkeit der Brennnessel bei Gelenkschmerzen. Heute ist ihre gute Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen (wie auch bei Harnwegserkrankungen, wofür sie deutlich bekannter ist) wissenschaftlich erwiesen – nur leider meines Erachtens viel zu wenig beachtet und eingesetzt.

Die „Königin der Beikräuter” hat Rudolph Steiner (Begründer der Anthroposophie) sie genannt.
„Beikraut“ (so wie auf demTitelfoto) finde ich zumindest schon freundlicher als die Bezeichnung „Unkraut“ – und tatsächlich ist sie ein traditionelles europäisches Heilkraut! Wie übrigens viele der sog. „Unkräuter“…

Und die Brennnessel ist weit mehr als das: 

  • Sie ist Grundnahrungsmittel für Raupen und damit Lebensvoraussetzung für so manch einen Schmetterling! 
  • Sie ist Rohstoff für Papier und Kleidung und Textilfarbe für Wolle, 
  • sie ist als Tee und Gemüse zu verwenden, 
  • sie ist Bodendünger und als Jauche auch Pflanzenschutzmittel 
  • – und eben ein heimisches und äußrest vielseitiges Heilkraut!

Die Brennessel wirkt harntreibend, aber auch entzündungshemmend, schmerzstillend und immunmodulierend. 

Die durchblutungsfördernde Wirkung dieser im wahrsten Sinne reizenden Vertreterin unserer heimischen Heilkräuter wird bei Berührung deutlich spürbar… Tatsächlich ist sie einer der ganz wenigen Gründe, warum ich dann doch manchmal zu Handschuhen greife bei der Gartenarbeit, denn bei mir „wehrt“ sie sich nach wie vor mit wildem Brennen und Pieksen, wenn ich ihr zu nahe komme. Und gleichzeitig muss ich dabei meistens grinsen: Sie schafft es doch, mit unscheinbarem und doch freundlichem Charme, sich zu wehren – und hat damit manch einem von uns schon deutlich etwas voraus 😉 Man müsste sich die Taktik abgucken.

Von der Brennessel lässt sich alles verwenden: 

  • Die Blätter, 
  • die Samen und 
  • die Wurzel. 

Die Blätter sind reich an Mineralstoffen wie Kieselsäure, Eisen, Mangan und Kalium und lassen sich nicht nur als Tee trinken, sondern auch als Gemüse gekocht oder als Suppe und sogar als Pesto und im Smoothie zubereiten. 
Die Samen enthalten Linolsäure, Polysaccharide und Carotinoide und die Wurzel u.a. Cumarin, Gerbstoffe und Polysaccharide. Der Vitalstoffgehalt der Brennnessel ist enorm.

Die Brennnessel unterstützt die Blutbildung (und daher den Aufbau von Blut und Essenzen) und damit auch das Immunsystem. Die Samen unterstützen das Knochenwachstum (ua. bei Osteoporose).
Und sie unterstützt den Stoffwechsel durch ihre Bitterstoffe und reinigt Blut und Bindegewebe und ist daher als Frühjahrskur ideal.

Die Einordnung nach TCM:
Der Geschmack ist bitter (reinigend, entgiftend, Leber und Gallenblase tonisierend), 
süß (nährend u. Essenz aufbauend) und salzig
Die Temperatur ist kühl
Sie wird dem Element Wasser und dem Nieren Yin zugeordnet und ist die Meisterin der Essenzen (Yin).

Wirkung:

  • harntreibend
  • entzündungshemmend und damit hilfreich gegen Rheuma und Arthritis
  • stoffwechselfördernd, leicht anregend auf Leber und Gallenblase und 
  • krampflösend

Indikationen:

  • Harnwegserkrankungen und -entzündungen, wiederkehrende HarnwegsInfekte
  • Wasseransammlungen
  • Prostatavergrößerung (die Wurzel)
  • Allergien, Ekzeme 
  • Störungen des Knochenstoffwechsels (Samen), 
  • Müdigkeit und Anämie, Aufbau bei allen Erschöpfungszuständen, u.a. bei Burnout, postnatal (nach Geburt) und in den Wechseljahren
  • Entgiftung (im Frühjahr) und Blutreinigung, Ausleitung

Indikationen nach Disharmonien der TCM:

  • Nieren – Yin – Mangel
  • Qi- und Blut – Mangel, Essenzmangel 
  • Herz – Yin – Mangel
  • Lungen – Yin – Mangel
  • Leber – Yin – Mangel
  • Feuchtigkeit im unteren Erwärmer

Emotional:

  • Die Brennessel fördert innere Stärke, Selbstsicherheit und Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, sich nach außen abzugrenzen und zu wehren
  • Sie hilft bei Erschöpfungszuständen, Vergessslichkeit und mangelnder Willenskraft.
  • Sie ist aufgrund dieser psychisch stabilisierenden Wirkung in Kombination mit ihrer Stärke, Ruhe und Willsenskraft und dem Aufbau von Blut und Essenz die ideale Hilfe in einem Burnout.

Angst ist der größte Energiefresser unter den Emotionen und schwächt unsere Nieren! 
In der Schwäche kann die Angst nach oben steigen und uns die Luft zum Atmen abschnüren, sogar Panik auslösen.

Die Brennnessel ist zunächst unscheinbar aber dennoch stark, sanft und dennoch willensstark, sie wird unterschätzt und als „Unkraut“ missachtet, aber das macht ihr nichts aus, denn sie ist freundlich, ruhig und ausdauernd.

Als Tee lässt sie sich 3x täglich trinken, Ziehzeit 10 Min.
Achtung: Aufgrund der harntreibenden Wirkung ist sie bei Wasseransammlungen aufgrund von Herz-  oder Nieren-Unterfunktion kontraindiziert!
Brennnesseltee ist gelb bis grünlich und schmeckt leicht salzig und nach Algen, in Teemischungen ist sie angenehm unaufdringlich.

Teemischung bei Allergien und als Frühjahrs-Getränk:
Brennnessel (Schutz), Löwenzahn (Reinigung), Kamille (Darmfunktion) und Minze (entspannt die Gallenblase und öffnet die Poren).

Äußerliche Anwendung:
Der alkoholische Auszug aus den Blättern wirkt durchblutungsfördernd und hilft bei Haarausfall, bei rheumatischen und neuralgischen Schmerzen.

Brennnessel-Pesto:
100g Brennnesseln
100 ml Olivenöl
100 g Feta-Käse
50g geröstete Sonnenblumenkerne
Saft einer halben Zitrone
3 Zehen Knoblauch, Salz u. Pfeffer

Ohne Käse, Knoblauch und Kerne, nur in (z.B. auch Sesam- oder Kokos-) Öl, ggf. mit mit etwas Zitronensaft püriert, lässt sie sich haltbar machen als Zutat, z.B. auch für Smoothies…

Wer nachhaltig und sinnvoll gärtnern und sich dabei ganz im Sinne der TCM & Yangsheng und mit unseren westlichen Kräutern bewusst und gesundheitsorientiert ernähren möchte, der freut sich über die Brennnessel – und isst (oder trinkt) sie!  😉
Häufig steht das Gute direkt vor uns… 

Es sind Zeiten wie diese, in denen die oft unerwartet lang andauernde und kräftezehrende Belastung in Alltag, Beruf und Familie ganz besonders die Prävention, den körperlichen wie psychischen Ausgleich und nachhaltige Regeneration notwendig machen. Und gerade dann bietet QiGong, neben den klassischen TCM-Therapiemethoden, ein spürbar effektives, jederzeit und mit sehr wenig Aufwand einsetzbares Mittel zur Selbsthilfe, das sich in jeder noch so kleinen Pause in den Alltag integrieren lässt. Ich will diese „Schatzkiste“ der Selbsthilfe nicht mehr missen und kann nur jedem ans Herz legen, es auszuprobieren und die unmittelbare Wohltat zu genießen. – QiGong kannst Du auch!

Zwar ist es zurzeit, im „sportlichen Lockdown“ der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen nur sehr schwer möglich, als Anfänger im QiGong einen qualifizierten Einstieg zu finden. Aber wenn man über die Möglichkeit der Videokonferenzen hinaus auch die eine oder andere persönliche Einzelstunde für sich in Anspruch nimmt und neben der persönlichen Anleitung und Erklärung auch ein wenig Information zu den Grundlagen und „Arbeitsprinzipien“ des QiGong erhält, dann merkt man sehr schnell, dass QiGong das Potential zu einer echten „Lebenshilfe“ hat und bereits einen ganz großen Teil dessen beinhaltet, was die Philosophie des Daoismus ausmacht. Das ist in Sachen Yangsheng schon fast die „halbe Miete“!

Einen ersten Teil einer „Bedienungsanleitung“ für QiGong habe ich 2017 im Taiji-Forum veröffentlicht, der Beitrag war u.a. für meine Kursteilnehmer gedacht. Und gerade weil er so grundlegend ist, bleibt der Inhalt zeitlos und wertvoll, daher hole ich ihn hier noch einmal hervor:

QiGong kannst Du auch!
QiGong kann man nicht erklären – aber spürbar machen!
QiGong zu beschreiben ist – eigentlich müßig.
Das Beste ist, man macht es einfach.
Und eigentlich tut man es ganz oft, ganz instinktiv. Nur muss man lernen, es wahrzunehmen. Und dann kann man es (mit ein bisschen Anleitung) gezielter üben und für sich einsetzen. Gezielte Atemübung – das ist die Definition oder besser das Prinzip von QiGong.

Das Qi
Gemeint ist hier zunächst mal die Lebensenergie oder Lebenskraft, die durch den Körper fließt und sein „Funktionieren“ erst möglich macht. Fließt diese Kraft frei und harmonisch, ist man gesund, der Ursprung von Krankheit laut der TCM, wenn diese Kraft sich staut, stockt oder verbraucht (und nicht erneuert) wird. Gemeint ist aber auch die Atmung, die Luft (Gas, Duft), mit der wir beim QiGong unser Qi vermehren. Denn grundsätzlich gibt es drei Quellen hierfür: Das „vorgeburtliche“ Qi, das ist das, was unsere Eltern und bei Geburt mitgeben. Das „nachgeburtliche“ Qi erhalten wir zum einen durch unsere Ernährung und zum anderen durch die Atmung.

Gong bedeutet Arbeit – das „Arbeiten mit dem Qi“, das ist QiGong.
Mit QiGong wird diese Energie erst einmal deutlicher wahrnehmbar, schließlich durch Übung gezielt einsetzbar. Man lernt, das Qi zu sammeln, zu vermehren, im Körper zu lenken – oder nach aussen zu richten (beim Tai Chi / Taiji bzw.Taijiquan).
En passant: „Taiji“ meint zunächst einmal „das Höchste, das Absolute, die primäre Quelle aller geschaffenen Dinge“. Es wird auch dargestellt durch die zwei „großen Pole“ Yin und Yang, das Taiji-Symbol, in dem sie sich zu einem Kreis ergänzen, ist den meisten bekannt. Dabei steht der helle Teil für das Yang (oben) und der schwarze für das Yin (unten), beide gehen ineinander über, bedingen sich gegenseitig und gleichen sich aus. Und in jedem steckt ein Teil des anderen drin…

Lass Dir Zeit
QiGong zu üben erfordert erfreulicherweise körperlich relativ wenig – dafür aber (und das ist heute zutage viel schwieriger) etwas Geduld und Zeit (im Sinne von Muße, nicht von Aufwand!) und die Bereitschaft, sich ein Stückweit von Rationalität und Ehrgeiz zu verabschieden und sich auf Intuition und geistige Ruhe einzulassen. Die größte Schwierigkeit bei uns „Wessis“ besteht genau darin:Wir sind zu rational, zu ehrgeizig, zu verbissen und „erfolgsorientiert“ in allem, was wir lernen wollen. Das ist in der Regel die erste und die größte Hürde.Wer sich im Laufe der Zeit darauf einlässt, einfach nur da zu sein, den Geist (Shen) zu beruhigen, „herunterzufahren“ und sich dabei fließend und mühelos (!) zu bewegen, der merkt schon ganz deutlich eine neue Leichtigkeit in der Übung und Bewegung und eine sensiblere Körperwahrnehmung.

Auf diesem Weg ist es nur ein Schritt weiter dahin, sein Qi im Körper zu lenken und die Wirkung wahrzunehmen. Und auch dies passiert ganz häufig völlig intuitiv! Nahezu jeder Teilnehmer, der ohne oder mit geringer Vorkenntnis eine Schnupperstunde im QiGong macht, erzählt am Ende der Stunde, dass er nicht nur eine tiefe körperliche und geistige Entspannung bemerkt, sondern auch eine deutlich größere Körperwahrnehmung. Diese Sensibilisierung für etwas, was eigentlich ohnehin schon da ist und eigentlich nur wieder „trainiert“ werden muss, wird im Laufe von relativ kurzer Zeit und der Übung wieder selbstverständlicher und vor allem gezielter. Dann werden auch einzelne Punkte (auch Akupunkturpunkte) ganz differenziert und gezielt mit Atmung und Qi „ansteuerbar“ und fühlbar. Übrigens sowohl bei sich selbst als auch bei anderen.

Qi aus Atmung
Auch die Atmung bzw. die Atemluft ist „Qi“ – und in der Tat neben der vorgeburtlichen/ vererbten und der Energie aus der Nahrung eine der drei Quellen, aus denen wir Qi schöpfen. Kein Wunder also, dass QiGong, als „Qi-Übung“ prädestiniert dazu ist, den Körper stetig zu regenerieren. Es ist in erster Linie Prävention – aber auch, wenn gezielt eingesetzt, durchaus Therapieform der TCM. Dabei ist es u.a. eine Funktion der Lunge, das Qi (über die Meridiane) im ganzen Körper zu verteilen.

Das Qi ist der Antrieb. Beim QiGong wird es durch die Atmung, gezielte und fließende Bewegungen, und die intuitive (weil tief entspannte und von jeglichen Gedanken „entleerte“) Aufmerksamkeit vermehrt/gestärkt, zum Fließen gebracht und gelenkt. Eigentlich machen wir ganz viel QiGong intuitiv.Wer hat nicht schon einmal, weil er erschöpft war, instinktiv ganz tief geatmet und sich dabei ganz lang gemacht und gestreckt? Nicht viel anders ist das „Sammeln“, was in aller Regel am Anfang jeder QiGong-Übung die Atmung vertieft und reguliert, das Qi vermehrt und den Geist besänftigt…

Zweites Beispiel: Wenn man aus Ärger,Aufregung oder Angst, in dem Bemühen, das galoppierende Herz zu beruhigen, bewusst tief atmet und sich nach unten ausrichtet, um sich gewissermaßen zu „erden“ – auch da ist schon „Richtung“ drin. Das, was in uns fühlbar nach oben steigt (Wut, die „durch die Decke geht“, Aufregung, die das Herz belastet, Angst, die uns die Kehle zuschnürt“…), das versuchen wir tatsächlich völlig intuitiv und mit tiefer (Aus-)Atmung nach unten zu schicken, um uns zu beruhigen. Unter umständen noch unterstützt durch eine „schiebende“ Bewegung der Hände in Richtung Unterbauch. Nahezu jeder hat das so oder so ähnlich schon einmal erlebt (und vermutlich gar nicht weiter wahrgenommen). Atmung, Richtung, Bewegung – das ist das Prinzip von QiGong.

Probieren geht über studieren
Dass dieses Prinzip wirkt, wie es wirkt und ob es richtig ist, lässt sich eigentlich immer ganz schnell überprüfen (und dazu ermutige ich jeden, der QiGong übt und sich uU auch mal unsicher ist): Nahezu jede Übung kann man auf zwei Arten machen, man kann die Richtung ändern und die Atmung „umdrehen“. Wenn dies gegen Dein inneres Körpergefühl geht und Unwohlsein auslöst – dann ist es falsch. Verändert man den Ablauf wieder und es fühlt sich „normal“ an, dann bist Du auf dem richtigen Weg. So einfach? Ja.

Probiere es selbst:
Das „Sammeln“: Ganz breitbeinig stehen, gestreckte Arme steigen, mit nach oben geöffneten Handflächen, seitlich hoch, den ganzen Körper zum Himmel strecken und tief einatmen. Mit den Händen vor dem Rumpf nach unten zum Unterbauch (Dantian) schieben und dabei ausatmen. 6-8x wiederholen.
Gegenprobe: Sammeln mit eng stehenden Beinen, Arme steigen seitlich, bleiben aber unterhalb der Kopfhöhe (etwa auf Brusthöhe) und sinken dann mit der Ausatmung zum Unterbauch. Wie fühlt sich das an? Vermutlich schon spürbar anders. Und was ist subjektiv besser?

Und noch drastischer: Das Sammeln in umgedrehter Atmung, beim Strecken und Heben der Arme nach oben wird diesmal AUSgeatmet, beim Hände senken EINgeatmet. Mit großer Wahrscheinlichkeit stellt sich spätestens mit der 3. oder 4.Wiederholung ein deutliches Unwohlsein ein, ein bleiernes Schweregefühl bis hin zu Übelkeit und Kreislaufbeschwerden – dann bitte sofort aufhören! Der Körper wehrt sich instinktiv, und es ist ziemlich klar: Hier stimmt was nicht! Wiederhole die Übung dann lieber noch 3-4x in die richtige Richtung, um das Unwohlsein wieder auszugleichen. Es dürfte ziemlich deutlich sein: Das Körpergefühl sagt spontan „Geht gar nicht!“ – Genau.

Immer wenn der Körper einem sagt „da stimmt etwas nicht“ – dann stimmt da etwas nicht. Und wenn es sich spontan gut anfühlt, dann bin ich auf dem richtigen Weg. Um dieser spontanen Körperwahrnehmung folgen zu können, ist es hilfreich, „das Hirn auszuschalten“. Nicht nachdenken! Einfach drauf los machen! (Vielleicht auch ab und zu die Augen schließen). Je länger man das macht, desto vertrauter wird es und desto intensiver die Wirkung. Aus dem angestrengten „Üben“ wird „Genießen“…

Wer nicht sucht, der findet
Und damit sind wir bei der „Anstrengung“. Der Feind von QiGong ist der Ehrgeiz, das „Zerreden“, das „Studieren“. Der einzige sinnvolle Weg ist die Praxis. Kein Chinese diskutiert lange, wenn er übt oder lehrt. Er übt einfach. Oder lässt üben. Versuche nicht der „Perfektion“ hinterher zu jagen. „You can’t chase Qi. It, eventually, will follow you.“ (Du kannst es nicht jagen – irgendwann wird es Dir folgen.) Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Wer es jagt, wird es nie finden.
Es wird ganz viel darüber geschrieben, gelesen, geredet und verglichen. Das ist eher anstrengend als hilfreich. Wenn Du Pech hast, sitzt es auf dem nächsten Baum und lacht Dich aus. Ja, das ist ein Spaß. Und ja, es soll Spaß machen. Lächele dabei! Fühlt sich plötzlich anders an, richtig? Wundert Dich das? Dein Lächeln meldet Deinem Körper: Mir gehts gut. Und schon „funktioniert“ es, ganz wie von selbst!

Die 4. Dimension
Übrigens: Beim QiGong verliert der zeitliche Rahmen an Bedeutung. Drei Monate oder ein Jahr lang jeden Tag 10 Stunden … ist ein intensiver Anfang. 10 Jahre jeden Tag 15 Min. – das ist Erfahrung und gelungene Prävention. Einmal die „8 Brokate“, ein Durchlauf, das sind knapp 15 Min. – das ist für jeden machbar. Und es ist schon wirksam. QiGong ist kein „Workout“, sondern eine „Atempause“.

Wer häufig übt oder sich auch mal Zeit lässt dabei, der stellt irgendwann plötzlich fest: Dieselbe Übung fühlt sich nun ganz anders an. Das passiert bei vielen Übungen nach der 8., 12. oder 30.Wiederholung. Aber auch wiederum nach 3 Monaten, einem Jahr, nach zwei oder drei Jahren… Wer dann ein Video von sich sehen würde, wie er vor Jahren geübt hat, der denkt: Du lieber Himmel, was für ein Unterschied! Und das ist immer so, und es ist bei allen so! Und im besten Falle findet QiGong einen Dauerplatz in Deinem Leben, man macht es ganz selbstverständlich immer weiter – spätestens dann, wenn man es nach einer Pause plötzlich vermisst…
Es gibt noch etwas, was beim QiGong fasziniert: Obwohl man sich gefühlt in Zeitlupe bewegt, gibt es einige Übungen, die intensiv wärmen, ja regelrecht zum Schwitzen bringen können. Das ist zum Beispiel beim Fließen der Meridiane so, oder beim „Kreislaufen“, welches ganz klassische und sehr grundlegende und präventive Übungen sind, die man auch besonders gut als „warm up“ nutzen kann.

Mühelos – „aerob“
Im Gegensatz dazu besticht QiGong durch eine großartige Leichtigkeit und Mühelosigkeit.
Nicht die Muskeln sollen Dich bewegen, sondern die Atmung, die Richtung, das Qi. Folglich werden Muskeln weder angespannt noch gedehnt, denn QiGong ist weder Workout noch Streching-Übung! Niemals geht man beim QiGong an seine Grenzen (z. B. der Beweglichkeit) oder sogar darüber hinaus, ganz im Gegenteil, man bleibt durchweg in seiner „Komfortzone“, bleibt dabei vollkommen entspannt und insbesondere in seinem eigenen Atemrhythmus. Und stellt plötzlich u.a. fest, dass man dabei eine volle Stunde und mehr stehen kann, ohne dass es anstrengend wird…

Übrigens ist dieses Bewegungsprinzip genau der Ursprung, den QiGong und Taiji gemeinsam haben!
Auch hier kommt die Bewegung nicht aus der Muskelkraft, sondern aus der gezielten Atmung, der Steuerung von Qi… – Aber hier liegt auch schon der maßgebliche Unterschied: Das Ziel. Taiji vereint Bewegungen aus dem Kampfsport mit dem gezielten Einsatz von Qi nach außen, nämlich auf einen Gegner! Während beim QiGong ein Gegner gar nicht vorkommt, hier ist es Qi-Übung innerhalb meines Körpers mit dem ausschließlichen Ziel der eigenen Gesundheit.

Genauso wie Taijji ist QiGong kein „Senioren-Sport“! Gegen dieses weit verbreitete Vorurteil möchte ich hier entschieden antreten. Prävention? Ja. Reha? Ja. – Aber wer kann heute schon noch behaupten, dass Prävention und Regeneration nur etwas für „golden ager“ ist? Und wieviele „junge Leute“ lassen im Alltag körperliche und geistige Beweglichkeit und Balance und insbesondere Resilienz vermissen? Wer Taiji und QiGong schon früh für sich entdeckt, findet u.U. einen „Schatz“ fürs Leben…

All das sind Dinge, an denen man schon frühzeitig die Wirkung von QiGong erkennen kann – und damit Qi spüren kann. Es ist tatsächlich weniger geheimnisvoll als es manchmal gemacht wird.

Es geht ja nicht darum, dem Qi in jedem einzelnen Zentimeter meines Körpers nachzujagen und es an jeder einzelnen Stelle zu „spüren“, sondern die Wirkung von QiGong überhaupt wahrzunehmen. Nicht jagen – nur „mitkriegen was passiert“. Und das ist, ganz nebenbei und „all inclusive“ neben der Erholung und Entspannung noch so einiges: Körperliche und psychische Regeneration und Kräftigung, Beweglichkeit (und nicht nur körperliche), Links- rechts-Koordination, Gleichgewicht (körperliches wie emotionales), geistige Fitness, Konzentrationsfähigkeit, Stress-Resilienz, Herz-Kreislauf-Stabilität und insbesondere eine deutlichere Körperwahrnehmung und tiefe Regeneration.

Man muss wirklich nicht viel dafür tun, man kann QiGong in kleinen „to go“-Portionen, als „Atempausen“ in sein Leben integrieren und bereits spürbar davon profitieren. Auch das macht es so mühelos. Mir macht es schon Freude wenn ich sehe, dass nach einem Kurs die allermeisten Teilnehmer entspannt, mit aufrechter Haltung, ruhigem Herz und klaren Augen nach Hause gehen. Das nennt man dann wohl „aufrichtendes Qi“.

Natürlich gibt es viel zu lernen, viel Hintergrundwissen (aus der TCM), so manch ein Detail in der Physiologie oder Körperhaltung, an dem man feilen kann und sollte, um sich weiter zu entwickeln – aber der Anfang ist nicht mehr als das: Atmen und bewegen – nicht umgekehrt!

In diesem Sinne: Ausdauer hat auch etwas mit Atmung zu tun…

Eine „Moon Milk“ ist Entspannung und Genuss in einem:  Als großer Fan der sprichwörtlichen „eierlegenden Wollmilchsau“ bin ich immer auf der Suche nach Lösungen und Hilfen, die mit minimalen Aufwand eine große Verbesserung ermöglichen. Je einfacher und umfassender desto besser. Letztlich gehe ich von meinem eigenen Berufs- und Familienleben aus – alles was nicht durch eine ermutigende Leichtigkeit und spürbaren Erfolg besticht, schafft es nicht in meinen Alltag… und daher vermutlich auch nicht in meine Praxis. 

Meistens handelt es sich bei den Tipps, die ich langfristig einsetze, um sehr grundlegende und eben deshalb so nachhaltige „Helferlein“.
Fitness- und Food-Trends gibt es genug, die guten „Basics“ bleiben zeitlos…

Zeitlos und sehr grundlegend ist und bleibt z.B. das Thema Schlaf.

Wir halten zwar keinen Winterschlaf, aber die kurzen Tage und der Lichtmangel signalisieren auch uns eigentlich, dass die Natur auf Schlaf und Erholung programmiert ist, auch für uns. Insofern ist eine vermeintlich auffällige Müdigkeit im Winter mitnichten pathologisch, sondern vielmehr völlig normal. Das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung ist jedenfalls zunächst mal von „Antriebslosigkeit“ oder einer tatsächlichen Depression zu unterscheiden.

Aber spätestens wenn der Winter geht und die Tage länger werden zeigt sich, ob man dem natürlichen Rhythmus folgend wieder motiviert und aktiv wird – und ob die Ruhe nicht (im Winter und auch sonst!) zu kurz gekommen ist.

Denn ausreichender Schlaf ist notwendig, damit alle die Dinge, die der Körper ohne unser Bewusstsein in dieser Zeit erledigt, auch wirklich stattfinden können: Zum Beispiel für die Verdauung, und zwar auch die geistige, die Verarbeitung der Informationsflut vom Tag und die Ablage im Langzeitgedächtnis (auch beim Lernen!). Demgegenüber verursacht Schlafmangel bekanntermaßen Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken…
Aber auch körperliche Stoffwechsel- und Reparaturmechanismen, und damit die Regeneration und Selbstheilung finden in dieser Zeit statt.

Umso ernüchternder ist die inzwischen offenbar schulterzuckend hingenommene Zahl der Menschen mit Schlafstörungen.

Die heute fast inflationär vielzitierte und in jedem „Coaching“-Artikel genannte Resilienz lässt sich zwar mit Entspannungsmethoden, Bewegung und Meditation fördern – wer aber dabei die „Basics“ übersieht (und dazu gehören nunmal ganz unspektakulär der Schlaf und die Ernährung), der kommt nicht weit… Es lohnt sich also, auch die zeitlosen, alten Hilfen wieder einzubeziehen, die vielleicht nicht vordergründig „sexy“ und gerade in Mode sind, dafür aber sinnvoll, hilfreich und nachhaltig. 

Der eine oder andere kennt sicher noch die heiße Milch mit Honig…. so weit entfernt ist die „Moon Milk“ (man könnte auch ganz einfach „Schlafmilch“ sagen) davon nicht – nur etwas cleverer im Rezept, soz. ein Multitalent:  

– Sie vermittelt allein schon durch die Wärme und Süße eine unmittelbare Entspannung, körperlich und geistig, und Trost für den u.U. sorgegeplagten Magen. Das allein ist schon der halbe Weg zum Einschlafen. Wer einen Weg findet, den sprichwörtlich „rotierenden Magen“ zu beruhigen, der kommt auch geistig zur Ruhe und schafft es eher, das Gedankenkarussel anzuhalten.
In der TCM ist der Magen „organisch zuständig“ für den emotionalen Bereich Sorgen/Grübeln. Wer zu viel grübelt, schwächt den Magen – ein schwacher Magen lässt uns im Grübel-Karussell endlos kreisen…

– In Kombination mit beruhigenden Tee-Kräutern wird die psychische und schlaffördernde Wirkung der Moon Milk unterstützt:
Hier kann man je nach Vorliebe und Bedürfnis auch wunderbar die ganz klassischen „westlichen“ Teesorten verwenden wie Lavendel, Melisse, Passiflora, Hopfen (als Einschlafhilfe), um nur einige zu nennen.

– Was wäre die TCM-Ernährung ohne Gewürze? Sie lassen sich so zielgerichtet und wirksam einsetzen, nicht nur um Geschmack zu bringen, sondern vielmehr um dem Körper das zu geben was er braucht… Da die Mitte gewärmt werden möchte, kommen hier meistens wärmende Gewürze zum Einsatz – und in die Moon Milk passen sie auch noch geschmacklich wunderbar! Eine warme Milch schmeckt schließlich mit Zimt, Kakao und/oder echter Vanille z.B. nochmal doppelt gut. Dass das aber nicht nur geistig sondern ganz körperlich auch Wirkung zeigt, ist die Art „win-win-Situation“, die ich besonders dankbar finde!

– Last but not least: Dass Rituale eine wirksame psychologische Hilfestellung bieten, ist mittlerweile allseits bekannt. Dass das besonders bei einem „Feierabend-Ritual“ oder Einschlaf-Ritual zutrifft, ist auch nicht überraschend. Dennoch wird dieses Hilfsmittel immer wieder gerne unterschätzt.
Dabei gehört es zu den grundlegendsten Basics des Energiesparens.
Denn letztlich geht es ganz hauptsächlich genau darum: Energie sparen! Alles, was unsere permanente Aufmerksamkeit verlangt, was ungewohnt, mühsam oder zeitintensiv ist, kostet Kraft. Und leider aasen wir in der Regel so lange mit unserer Energie, bis der Körper meldet „Akku leer“ – nur ist es dann schon eine Notsituation! Ginge es um ein Auto, das auf Reserve fährt oder ein Smartphone, das in den Stromsparmodus schaltet oder gar ganz geht, dann reagieren wir umgehend – nur nicht bei uns selbst. In Sachen Stromsparen ist uns jedes Einsparpotential recht, bezogen auf uns selbst lassen wir dagegen jede Menge Potential achtlos liegen. Das Ritualisieren von noch so kleinen Angewohnheiten, die auf irgendeine Art und Weise gut tun und „Lebenspflege“ (Yangsheng) bedeuten, gehört zu den größten Energiesparpotentialen, die wir nutzen können. Nachhaltigkeit ist auch hier ein lohnendes Ziel.

– Eine weitere Zutat macht die Moon Milk dann tatsächlich zur „eierlegenden Wollmilchsau“:
Es gibt eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln aus der ayurvedisch-indischen, traditionell chinesischen und auch westlichen Phytotherapie, die man schulmedizinisch als „Adaptogene“ bezeichnen würde. Sie erhöhen nämlich unsere Anpassungsfähigkeit – deren Wirkung könnte man auch als resilienzsteigernd bezeichnen. In einer Lebensphase, in der man sich u.U. derart körperlich und geistig verausgabt hat, dass der sprichtwörtliche Akku soz. „tiefenentladen“ ist, braucht es kurzfristig Strategien und einfach Hilfsmittel, die eben dazu führen, dass man körperliche und geistige Balance wieder herstellen kann, um auf Anforderungen aus der Umwelt angemessen reagieren zu können – mit Leistungssteigerungen aber auch mit den notwendigen Erholungsphasen. Diese Fähigkeit zur Adaption (in beide Richtungen) lässt sich sogar an Zahlen messen, z.B. an der Herzfrequenzvariabilität (HRV, https://de.wikipedia.org/wiki/Herzfrequenzvariabilität#HRV_in_Stressmedizin_und_Psychophysiologie), die ein guter Indikator für Resilienz und gleichzeitig für (Herz-Kreislauf-)Fitness ist und problemlos durch ein EKG aber auch schon vielen Fitnessuhren zu ermitteln ist. 
In der ayurvedischen Medizin wäre ein gutes Beispiel die „Schlafbeere“ Ashwagandha. Ein sehr wirksames Pendant aus der TCM ist der Heilpilz Hericium (auch „Igelstachelbart“ oder „Löwenmähne“ genannt), der in der TCM zudem schon lange bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt wird.
Auch der Einsatz von Heilpilzen in „Tee“-Form ist nichts Neues – und nutzt in der Regel den Vorteil, dass hier nicht mit Extrakten (also herausgelösten Einzelbestandteilen) des Pilzes gearbeitet wird, sondern der ganze Pilzkörper (zu Pulver vermahlen) verwendet wird.  Die meisten Heilpilze schmecken sogar sehr lecker, und z.T. finden sie ja auch den Weg in so manch eine Pfanne, so z.B. der Shiitake, der mittlerweile in fast in jedem Supermarkt zu haben ist, oder auch Mu-Err (Auricularia, bzw. das „Judasohr“), der in so ziemlich jedem Wok-Gericht landet…
In einer Schlafmilch gibt Hericium z.B. eine „erdige“, nussige Note, die sich m.E. nach sehr harmonisch mit einem TL Kakao verbindet. 😉

– Und noch ein soz. „umwerfendes“ Argument für die Schlafmilch: Das Genießen. Was ist schöner als eine Schlafmilch, die auch noch lecker schmeckt?  Wenn man das sinnvolle und hilfreiche so einfach mit dem Angenehmen verbinden kann, hat das für mich den Charme, den es braucht, um langfristig den Weg in die persönliche Hausapotheke, oder vielmehr in den heimischen Küchenschrank zu finden… 

Grundrezept:
Es werden immer diese drei Kompontenten nach belieben kombiniert:
Milch (oder vegange Milchalternative)
wärmende Gewürze (Kurkuma, Zimt,  Kardamon, Vanille, Kakao usw.) und beruhigende Tee-Kräuter (z.B. Lavendelblüten, Melisse, Passiflora, Hopfen, u.v.m., hier gibt es eine ganze Auswahl an bekannten „Schlaf-Tee“-Sorten, die sich im Teebeutel oder -sieb verwenden lassen)
Adaptogene:  Ashwagandha (Schlafbeere) oder Tulsi (das „heilige Basilikum“),  und bei den Heilpilzen der TCM: Reishi (der „Pilz der Unsterblichkeit“) oder Hericium.
Nach Belieben lassen sich auch noch getrocknete Beeren oder Datteln hinzufügen, wenn man es gern noch etwas fruchtiger mag…

Zubereitung: Etwa 1/4 bis 1/3 Tasse Schlaf-Tee (z.B. Lavendel u. Hopfen) aufbrühen und 8 Min. ziehen lassen. In der Zeit die Milch zusammen mit den Gewürzen und ggf. Beeren oder 1 Dattel erwärmen, das Adaptogen (z.B. Hericium-Pulver) hinzufügen (je nach Angabe, meistens 1 TL des Pulvers) und rühren bis es sich ganz löst, und dann zu dem Tee in die Tasse gießen – fertig!

Lass es Dir schmecken – und dann schlaf schön! 😉

Am 12. Februar beginnt das chinesische Jahr des Metall-Büffels.

Der Büffel ist das zweite der chinesischen Tierkreiszeichen und folgt auf das unruhige Jahr der Ratte

Er ist bekannt für seine Geduld, Ausdauer und Willensstärke. Beste Voraussetzungen, um die Probleme aus dem letzten Jahr anzugehen und aus dem Weg zu räumen. Büffel-Jahre sind Reformjahre und bringen in der Folge beruflichen Erfolg, Wachstum und auch privates Glück.

Denn Büffel sind Herdentiere und sorgen für ihre Lieben. Treue, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein machen ihn zu einer soliden Stütze. 

Büffel sind fleißig, zielstrebig und entschlossen. Von Veränderungen halten sie nicht so viel, sie setzen auf bewährte Qualitäten.

Aber man darf ihn nicht unterschätzen und nicht allzu sehr reizen oder bedrohen, sonst walzt er mit seiner Körpermasse und Kraft alles nieder, was ihm in die Quere kommt.

Mit dem Büffel folgt auf das Jahr der Ratte (Yang-dominiert) nun ein Tier, bei dem das Yin deutlich ausgeprägter ist. Das Jahr wird also insgesamt deutlich ruhiger.

Das Element Metall steht zudem für Pflichtbewusstsein, Fairness und Standhaftigkeit und ist daher ein idealer Verstärker der Büffel-Qualitäten.

Das Jahr wird anstrengend, es wird unser Verantwortungsbewusstsein, unsere Disziplin und unsere Ausdauer fordern. Aber es wird sich lohnen.

Und es ist die Zeit etwas Ordnung im Familienleben zu schaffen, und damit eine tragfähige, solide Basis und einen Ruhepol.

Die Strategie des Büffels erinnert mich an ein ganz grundlegendes und wichtiges Prinzip der daoistischen Philosophie und Kampfkunst: Wuwei. Nicht kämpfen, nicht eingreifen, sondern sich integrieren (Teil sein) und flexibel bleiben – und trotzdem in der eigenen Mitte. Und dabei das Herz öffnen und aufmerksam sein, auf die Umwelt wie auf sich selbst.

In der Ruhe liegt die Kraft. Und: Wenn Du es eilig hast, gehe langsam…

In diesem Sinne: Ich wünsche Euch ein gutes, gesundes und friedliches neues Jahr – und dafür ganz viel Büffel-Kraft! 😉

Das drastische Fazit aus diesem Jahr ist sicherlich: Am Ende bleibt einem nichts als die 21 Gramm, die den Körper überleben… und das kann schneller gehen als man denkt. Es waren dieses Jahr einige mehr als sonst und vor allem früher als notwendig. Auf einmal reduzieren sich Prioritäten ganz intensiv auf das Wesentliche. Hautnah haben das aber nur Betroffene und medizinisches Personal erlebt, für alle anderen ist das Begreifen daher auf andere, sichtbare Entbehrungen reduziert.

Das Nichts in den Supermarktregalen war eine davon, relativ am Anfang und im Laufe der Zeit zu einem „running Joke“ der Medien avanciert: Leere Regale, kein Klopapier, keine Nudeln, keine Konserven, keine Hefe… Das hat es so schon lange nicht gegeben, für die meisten war es schlichtweg surreal.

Doch ganz bald kam ein viel größeres Nichts: Das existenzielle. Von jetzt auf gleich sind ganze Branchen am Boden, haben keine Arbeitsgrundlage mehr, kein Einkommen, keine Perspektive und keine Ahnung, wie das wohl weiter gehen soll. Während die einen unter der Arbeitsbelastung ächzen (die sog. „systemrelevanten“), einige wenige sich eine goldene Nase verdienen, schaffen es die anderen nur durch ein immenses Maß an Solidarität. Und auch wenn es noch lang zu wenig ist, bisher, so ist es doch schön zu wissen, dass es sie noch gibt…

Denn es gibt auch die andere Seite des Nichts: #Langeweile. In einer weitgehend unbedrohten Situation, die einem aber den gewohnten Bewegungsfreiraum entzieht, dreht so manch einer seine Kreise in den eigenen 4 Wänden und steht sehr bald vor einem bis dato völlig unbekanntem Nichts…

Und dabei sollten wir dankbar sein für ein bisschen mehr Nichts in vieler Hinsicht. 
Denn auf „Höher-weiter-schneller“, auf „Leistungsgesellschaft“, auf Reizüberflutung, Überangebot und Dauerbespaßung muss ja zwangsläufig irgendwann eine Kehrtwende kommen – sie kam jetzt nur anders als gedacht und ziemlich unverhofft, schnell und drastisch…

Aber das war auch nötig: Es wurden nämlich nicht nur Schränke, Keller, Garagen und Gärten entrümpelt, sondern auch Ehen, Familien und Freunde… das große „Ausmisten“ ist angesagt. Kein Wunder, dass gerade der Trend der „Tiny Houses“ und das Camping einen Boom erfahren.

Nebenbei entdecken viele das „Draußen“ wieder, die Natur – und das Fahrrad…
Überhaupt: Die Natur bedankt sich für eine kleine CO2-Verschnaufpause mit blauem Himmel, etwas mehr sauberer Luft und klarem Wasser… Weniger ist mehr.
(Anmerkung zum Thema Natur: Wir werden übrigens auch Corona vermutlich nicht (oder zumindest nicht allein) beherrschen. Die Natur wird es. Sie kann nämlich auch ohne uns. Aber wir nicht ohne sie.

Und es sind auch hier und da ganz neue Ideen entstanden – und die entstehen immer aus – na? Aus dem Nichts! Denn aus dem Nichts entsteht Kreativität. Aus der Notwendigkeit. Und aus dem Vorteil des Nichts: dem Platz für Neues. Ein Künstler würde sagen „Muse“, für das Fußvolk: Leere, geistiger Freiraum. (Oder für Nerds: freier Arbeitsspeicher?) 😉

Das einzige Nichts, das sich gerade partout nicht einstellen will ist das Nichts im Kopf. Damit ist jetzt nicht das Fehlen jeglicher Intelligenz gemeint. Wobei – naja. Aber das würde ich auch nicht als Nichts bezeichnen sondern als „ganz viel Unsinn“. Nein, gemeint ist das Fehlen von Sorgen, von Gedanken-Karussells und Ängsten… 
Die letzten Monate rotieren die meisten von uns soz. „24/7“, um Lösungen zu finden und kommen dabei geistig überhaupt nicht mehr zur (inneren) Ruhe

Auf die Dauer ist das so kräftezehrend, dass das Nervenkostüm leidet, die Dünnhäutigkeit zunimmt, die Anfälligkeit für emotionale Entgleisungen. Hinter den Corona-Wellen schwappt jeweils zeitversetzt um ein paar Wochen eine Welle von Depressionen, Burnouts und Angstzuständen her. Es braucht ganz dringend auch mal wieder Ruhe für den Geist…

Von einem Patienten erfuhr ich kürzlich, dass er bei seinen täglichen Übungen und Meditationen sehr strukturiert und zielgerichtet vorgeht. Sehr beherrscht, ehrgeizig und selbstkritisch. Das ist so typisch für unsere Herangehensweise an alle Herausforderungen: Mit dem Anspruch auf Beherrschung. Mir kam das spontan unglaublich mühevoll vor. Mir kam sofort der Wunsch in den Sinn nach dem Nichts im Herzen (nach Platz und Leichtigkeit) und Ruhe im Kopf! Nach einer großen Portion NICHTS.

Es gibt beim Meditieren ja durchaus mehrere „Wege nach Rom“: 

Man kann bewegt meditieren:  
Bekanntermaßen mittels „Geh-Meditation“, aber auch z.B. mit den „Wolkenhänden“ aus dem Taiji, dem „Circle walking“ im Bagua Zhang und mit einzelnen fließenden QiGong-Übungen (so manchem fällt da spontan seine Lieblings-Übung ein, die ihn in den „Flow“ bringt…)

Man kann auch stehend meditieren
z.B. mit den „stehenden Säulen“, die zu den Grundlagen-Übungen der daoistischen inneren Kampfkunst gehören und u.a. die Ausrichtung, die eigene Mitte und die Schwerelosigkeit trainieren – aber auch ganz einfach durch das „Verwurzeln“ im Boden (durch Yongquan) und das „Verlängern“ zum Himmel (durch Baihui).

Zur sitzenden Meditation bzw. zum stillen QiGong kann man z.B. auch den kleinen himmlischen Kreislauf zählen. Er ist gewissermaßen schon so etwas wie eine geführte stille Meditation, ein bisschen wie ein „Body scan“ (auch der ist ja geführt).

Die „geführte“ Meditation könnte man m.E. vergleichen mit einem Gebet:  
Der Geist wird gelenkt. Man hangelt sich gewissermaßen an einer „Affenleine“ entlang. Dabe ist der „Affe“ das sprunghafte, unkontrollierte, unwillkürliche „Gedanken-Hopping“, das so manch einem das Meditieren, aber auch das Praktizieren von QiGong und Taiji bisweilen ordentlich verhagelt… Schon beim QiGong und erst recht beim Taiji und Bagua Zhang merkt man: Wenn man mit der Aufmerksamkeit nicht bei sich und seinem Körper ist, fliegt man ganz schnell aus der Kurve, torpediert damit seine Übung, wenn es ganz dumm kommt, landet man sogar auf der Matte…;-) Also liegt die „höchste Disziplin“ darin, „den Affen einzufangen“, bei sich zu bleiben. Eine geführte Meditation ist da eine große Hilfe und Orientierung, das kann ein Bodyscan sein, eine Gedankenreise, ein Mantra, ein Gebet – was immer Dir hilft, zu Deiner Mitte zu finden und ruhig zu werden.

Es gibt aber auch kleine Hilfen, die das „Kopf leeren“ erleichtern, z.B.:

–  Am ausgestreckten Arm auf den eigenen Zeigefinger fokussieren und diesen in kleinen Schritten immer näher zum Herzen führen, dabei mit der Aufmerksamkeit seinem Finger folgen bis ins eigene Herz… (das Herz ist das „Haus des Shen“, des Geistes!)

Lächeln! Das „reinigt“ das Herz und entspannt! 
Wer lächelt, kann nicht angespannt sein. Und auch nicht von schlechten Gedanken erfüllt. Lächeln lässt das Herz aufgehen. 
Und wer freundlich zu sich selbst und allem um sich herum ist, der bleibt entspannt und ruhig.

– Sich in eine Seifenblase setzen: 
In einen gedämpften, leeren, schwerelosen Raum, der zwar die Wahrnehmung der Außenwelt zulässt, aber dennoch ein „Vakuum“ bietet, einen Freiraum bzw. Leerraum, Schwerelosigkeit, ein kleines Nichts für den Geist und ein bisschen mehr Platz für sich selbst…

Mit etwas Übung geht es irgendwann auch ganz ohne „Leine“, und vor allem ohne Mühe!

Ich wünsche Euch friedliche und ruhige Feiertage,  eine dicke große schillernde Seifenblase – und ein bisschen „Nichts“ im Kopf…

Dreißig Speichen bilden eine Nabe,
doch erst das Nichts dazwischen macht das Rad.
Aus Lehm formt man ein Gefäß,
doch erst durch das Nichts im Inneren 
kann man es benutzen.
Fenster und Türen schneidet man in Mauern –
das Nichts in der Mitte ist der bewohnbare Raum. 
Das was da ist, hat einen Sinn
– was nicht da ist, macht seinen Nutzen aus.
Dao de Jing 11, Laozi