Sommer-Tee & Cold Brew - QiHai TCM in Köln

Der Sommer rückt immer näher! Und damit wendet sich das Bedürfnis nach Wollsocken, Sofa und heißem Tee hin zur Abkühlung im Freien und mit kalten Getränken… Wer gerne Tee trinkt hat jetzt damit nochmal richtig viel Spielraum und Anlass zum Experimentieren mit Zubereitung, Zutaten und eigenen Kreationen!

Da in der TCM die Ernährung grundsätzlich immer vor dem Hintergrund der eigenen Bedürfnisse und Gesundheit ausgewählt wird, macht es Sinn, sich über die Wirkung von Tee-Sorten im Vorfeld zu informieren und sie dann umso gezielter für sich nutzen zu können. So hat das Schöne und Leckere dann gleichzeitig noch einen gesundheitlichen Nutzen – zwei Fliegen mit einer Klappe! Und wie lecker und vor allem abwechslungsreich das sein kann, wird einem klar, wenn man anfängt, seinen eigenen Tee ganz individuell und immer wieder neu nach Tagesform zu „komponieren“.

Um Tee nach Wirkung gezielter für sich einzusetzen, sollte man die thermische Wirkung von Tee berückichtigen:
Grüner Tee kühlt, schwarzer Tee wärmt, Oolong Tees liegen in der Wirkung dazwischen, sind also eher neutral, je nach Grad ihrer Oxidation.
Grüner Tee ist also etwas für „Feuer-Menschen“ und solche, die Hitze-Symptome aufweisen (z.B. Entzündungen, Ausschlag, Verstopfung). Schwarzer Tee ist gut, wenn Wärme gebraucht wird, um den Magen zu wärmen, oder im Alter.

Im Sommer lässt sich nun das Bedürfnis nach Kühlung aber auch bei der Zubereitung berücksichtigen und Neues ausprobieren mit der Cold Brew Methode:
Grundsätzlich brauch man hierzu kein besonderes Zubehör oder besondere Flaschen, es reicht eine Saftkanne oder Karaffe und ein Teesieb, Einsatz oder Papierfilter – nur bitte kein Tee-Ei, denn viele Tees, insbesondere die gerollten, aber auch die Blüten brauchen Platz! Außerdem sollte man sich den optischen Genuss nicht entgehen lassen: Gerade die Blüten machen in einer Glas-Kanne einen schönen Anblick. Wichtig ist beim Cold Brew nur die Langsamkeit: Man sollte den Tee am besten im Kühlschrank über Nacht ziehen lassen.  Alternativ kann man ihn mittels der „Drip“ Methode ziehen lassen, bei der das Wasser nur tropfenweise durch den Tee läuft, hier gibt es entsprechende „Dripper“, bei dem ein Wasserbehälter mit Tropfventil und Edelstahlsieb auf die Kanne gesetzt wird. Beides setzt im Grunde auf die Langsamkeit und die damit sehr schonende Zubereitung und Extraktion.

Und gerade hier lohnt sich unbedingt, auch mit hochwertigen Grüntees zu experimentieren,  etwa mit meinem persönlichen Lieblings-Grünen Meng Ding Gan Lu – der „süße Tau vom Berg Meng Ding“. Dieser erstklassige Hochlandtee aus der Provinz Sichuan ist die meiste Zeit vom Nebel bedeckt, daher seine Frische und Süße – die nicht nur bei 75 Grad, sondern meiner Meinung auch als Cold Brew besonders zur Geltung kommt. 

Oder auch die beliebten „Drachenperlen“ (mit Jasmin), dieser Grüntee kommt auch bei Kindern als Cold Brew sehr gut an! Da die Perlen Platz zur Entfaltung brauchen, sollte man gerade hier ein großes Teesieb verwenden oder direkt in einer Glaskanne ziehen lassen, so dass man die Entfaltung der Blätter und ggf. zugesetzten Blüten auch optisch genießen kann. 
Jasmintee löscht gut den Durst und erfrischt auch geistig, denn das sehr blumige Aroma ist spürbar stimmungsaufhellend. Er hat zudem eine Hitze besänftigende und entgiftende Wirkung, kontrolliert das Qi, ist mild zum Magen und beruhigt die Sinne.

Chrysanthemen: „Ju Hua“
– einer der wichtigsten Tees der TCM. Sie lindern Hitze (zB. aus „heißer“ Nahrung oder Leber-Feuer), wirken antibakteriell, antiviral, antimykotisch, blutdrucksenkend, gefäßerweiternd, entzündungshemmend, vorbeugend bei Migräne und finden Anwendung bei hochschlagendem Yang, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus, Kühlen von Hitze, Ekzemen und zur Unterstützung der Leber, auch bei Entgiftung.  Schmeckt auch solo (wenn sie wirklich frisch sind!), aber besonders mit Rosenknospen und/oder Goji-Beeren.

Rosenknospen
sind beruhigend und entspannend, Durchblutung u. Stoffwechsel fördernd und Haut schützend. Tipp: Zusammen mit Chrysanthemen aufgießen. Nach TCM ergänzen und verstärken sie sich besonders gut, sie passen auch geschmacklich sehr gut zusammen und geben ein wunderschönes Bild in einer Glaskanne ab.

Osmanthusblüten
Die Miniblüten sehen aus wie Holunderblüten, nur in leuchtend gelb, sind zart süß und duften nach Champagner. Sie wirken beruhigend und stimmungsaufhellend. 
In Taiwan sehr beliebt in Kombination mit hellem Oolong (zB.  Anxi Tie Guan Yin). Auch diese Kombination kann man als Cold Brew ausprobieren!

Lindenblüten
sind neutral bis kühl und leicht scharf. Sie eliminieren Wind-Hitze, wirken fiebersenkend und erfrischend, tonisieren Milz-Qi (bei Verdauungsschwäche), sie helfen bei Schlaflosigkeit, Unruhe und Angst und beruhigen übrigens nicht nur den Geist (Shen), sondern auch gereizte Haut! Da die Lindenblüten sehr sanft lieblich schmecken, gehen sie bei geschmacklich dominanten Zutaten etwas unter, daher kombiniere ich sie am liebsten mit Zitronengras und Osmanthusblüten oder Rosenknospen.

Minze
ist hilfreich bei Verdauungsproblemen und Magenschmerzen, kühlt und erfrischt. Auch bei Kindern beliebt. Probieren Sie mal die Kombination mit Sanddorn! Oder experimentieren Sie selbst mit Blüten, Kräutern und Beeren als „bunte Infusion“ für den Sommer.

Zitronengras
kühlt Feuer (Magen / Leber), tonisiert das Milz-Qi, beruhigt das Shen (Geist). Auch Zitronengras lässt sich super kombinieren – und zwar nicht nur in der handelsüblichen Kombination mit Ingwer (der im Sommer eher ungeeignet ist), sondern z.B. auch mit Rosenknospen…

Salbei
kühlt Hitze durch Yin-Mangel, tonisiert Wei-Qi (Abwehr), Lungen-Qi, Milz-Qi und Nieren-Qi. Haben Sie den schon mal mit Mandarinenschalen gemischt? 

Mandarinenschalen (Chen Pi) gehören auch zu den wichtigen Tee-Zutaten in der TCM. Sie wärmen,  tonisieren das Milz-Qi und trocknen Feuchtigkeit.

Zitronenschalen
sind thermisch neutral, kühlen Magenfeuer, tonisieren Milz-Qi und Leber-Qi und helfen bei hohem Cholesterin u. Blutfett. 

Goji-Beeren
sind in der TCM das klassische Nieren- und Qi-Tonikum, sie werden als Tee häufig zusammen mit Chrysanthemen aufgebrüht und ergänzen sich auch geschmacklich prima!
Übrigens muss man sie nach dem Aufbrühen nicht etwa entsorgen, sondern kann sie danach noch aufessen, denn aufgebrüht werden sie weich und besonders süß und aromatisch! 

Sanddorn – was im Winter der Punsch, ist im Sommer der Eistee…
Sanddorn kühlt bei Feuer, Entzündungen, Ekzemen, Reizbarkeit und Migräne, tonisiert Wei-Qi (Abwehr) und Herz-Qi, löst und transformiert Feuchtigkeit u. Schleim (u.a. bei erhöhtem Cholesterin u. Blutfett). Ich kombiniere ihn im Sommer z.B. mit Minze und Mandarinenschalen (und im Winter mit Ingwer und einem Schuss Orangensaft als heißen Punsch).

Hagebutten 
sind kühl bis neutral, entzündungshemmend und schmerzlindernd bei Arthrose, reich an Vitamin C und gut für das Immunsystem. Auch bei Hagebutten lohnt es sich, mal ganz nach eigenem Geschmack und abseits der klassischen Früchteteemischung nach eigener Intuition zu kombinieren –  z.B. mit Minze und Osmanthusblüten?

Zum guten Schluss noch ein Tipp, der nicht so sehr „TCM-konform“ geht, sondern eher als Genussmittel durchgeht – und unfassbar lecker ist: Thai Ice Tea.
Klassisch wird er zwar mit schwarzen Tee zubereitet, aber m.E. lässt er sich fast noch besser mit grünem Tee oder Oolong (für Kinder auch mit Minze oder griechischem Bergtee) aufbrühen – und vielleicht auch mal als cold brew?
In den gebrühten Tee kommt gestoßenes Eis und ein Schuss Kondensmilch oder wahlweise Kokosmilch. Das Auge trinkt mit: Genießen Sie die „Milch-Blüte“ im Tee!  Wer auf die schöne Optik verzichtet, kann natürlich wahlweise mit dem Eis schaumig shaken…
Wie gesagt: Hier geht es um reinen Genuss – aber der darf schließlich ganz im Sinne des in der TCM höchsten Gebots des Ausgleichs  ja auch mal sein! 😉

Machen Sie sich einen schönen Sommer!